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    Angststörungen besser behandeln

    31.05.2016 | FORSCHUNG
    Die wirksamste und wissenschaftlich am besten bewährte Therapieform gegen Angsterkrankungen ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie besteht aus der Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und intensiven Übungen. (Bild: Kristina Dickhöver/L

    Die wirksamste und wissenschaftlich am besten bewährte Therapieform gegen Angsterkrankungen ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie besteht aus der Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und intensiven Übungen. (Bild: Kristina Dickhöver/Lehrstuhl für Psychologie I der Uni Würzburg)

    Eine deutschlandweite Studie will die Behandlung von Angsterkrankungen optimieren. Ein Partner hierbei ist das Zentrum für Psychische Gesundheit am Uniklinikum. Als Teilnehmer können Erwachsene und Kinder mit ausgeprägten Ängsten ein intensiviertes Diagnostik- und Therapieangebot bekommen.

    Wenn Ängste so ausgeprägt sind, dass sie das alltägliche Leben von Betroffenen dauerhaft beeinträchtigen – beispielsweise durch einen sozialen Rückzug oder berufliche Einschränkungen – spricht man von einer Angsterkrankung. In Deutschland leiden ungefähr 15 Prozent aller Erwachsenen sowie zehn Prozent aller Kinder unter einer solchen Störung. Diese kann sich zum Beispiel als Panikstörung, als soziale oder spezifische Phobie sowie als Trennungsangst im Kindesalter zeigen. „Derartige Krankheiten zu erkennen und eine passende Therapie zu finden, ist oft schwierig. Häufig sehen sich die Betroffenen mit langen Wartezeiten und begrenzt wirksamen Behandlungsmethoden konfrontiert“, sagt Ulrike Lüken.

    Die Professorin für Experimentelle und Klinischen Psychotherapie am Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) erklärt: „In der Folge leiden die Erkrankten oft jahrelang. Sie entwickeln nicht selten zusätzliche Beschwerden, wie eine Depression oder Suchterkrankung. Zudem wird die persönliche, zwischenmenschliche und berufliche Entwicklung gestört.“

    Protect-AD im Herbst 2015 gestartet

    Abhilfe will hier das Forschungsprogramm Protect-AD (Providing Tools for Effective Care and Treatment of Anxiety Disorders) schaffen. Bei der im Herbst vergangenen Jahres gestarteten Studie arbeiten Einrichtungen in sieben deutschen Städten zusammen. Eine dieser Einrichtungen ist das ZEP, zu dem auch die Hochschulambulanz für Psychotherapie am Lehrstuhl für Psychologie I der Würzburger Universität gehört.

    „Die wirksamste und wissenschaftlich am besten bewährte Therapieform gegen Angsterkrankungen ist die kognitive Verhaltenstherapie. Diese wollen wir weiter verbessern und so verändern, dass sie für mehr Betroffene langfristig wirksam ist“, sagt  Professorin Lüken, die für das operative Management der Würzburger Protect-AD-Arbeitsgruppe zuständig ist.

    Die Teilnahme an der Therapiestudie und der vorausgehenden intensiven Diagnostik ist für Kinder ab acht Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit ausgeprägten Ängsten ab sofort bis Mitte 2017 möglich. „Einer der Vorteile für die Studienteilnehmer ist ein möglichst zeitnaher Behandlungsbeginn. Ansonsten bestehen bei vergleichbaren Therapien bis zu sechs Monate Wartezeit“, sagt Lüken.

    Diagnostik und kognitive Verhaltenstherapie

    Was erwartet die Patienten? „Die Behandlung beginnt mit einer Phase intensiver psychologischer Diagnostik durch speziell geschultes Personal“, schildert Prof. Lüken und fährt fort: „Wenn die Studientherapie geeignet ist für den Patienten, schließen sich weitere Untersuchungen an, zu denen unter anderem eine Magnetresonanztomographie vom Kopf vor und nach der Therapie, Blutentnahmen für eine genetische Untersuchung, psychologische Tests am Computer sowie eine Aufgabe in virtueller Realität gehören.“

    Die Therapie selbst ist eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie und besteht aus der Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und intensiven Übungen. Die Behandlung dauert sechs bis zwölf Wochen mit bis zu drei Terminen pro Woche. Nach sechs Monaten findet eine Nachuntersuchung statt.

    Der Forschungsverbund Protect-AD wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 5,3 Millionen Euro über vier Jahre gefördert.

    Mehr dazu unter www.protect-ad.de

     

    Ergänzende Information:

    Mögliche Symptome einer Angsterkrankung

    Wer eine dieser Fragen für sich mit Ja beantwortet, könnte ein potenzieller Studienteilnehmer von Protect-AD sein:

    • Erleben Sie ganz plötzliche Zustände starker Angst, Panik oder Unruhe?
    • Vermeiden Sie Menschenmengen und andere Orte, weil Sie in eine peinliche Situation geraten könnten?
    • Begeben Sie sich ungern in soziale Situationen, weil Sie von Ihren Mitmenschen negativ bewertet werden könnten?
    • Haben Sie Angst vor bestimmten Tieren, Blut und Verletzungen oder Spritzen, (Zahn-) Ärzten oder vor einem Aufstieg in luftige Höhen?

    Ansprechpartner

    Menschen, die sich in den beschriebenen Problemen wiederfinden, stehen folgende Ansprechpartner für eine Kontaktaufnahme zur Verfügung:

    • Für Kinder und Jugendliche:

    Prof. Marcel Romanos und M. Sc. Katharina Kneer
    Tel: 0931 / 201 76448, E-Mail: KJ_KiBa@ukw.de

    • Für Erwachsene:

    Dipl.-Psych. Jennifer Gamer und Dipl.-Psych. Kristina Dickhöver
    Tel: 0931 / 31 82006

    Telefonsprechzeiten (Patientenaufnahme): Di 16:00 bis 17:00 Uhr und Do 13:00 bis 14:00 Uhr

     

    Weitere Informationen zum Projekt:

    E-Mail: protect-angst@uni-wuerzburg.de

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