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    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

    Die Genetik der schwachen Herzen

    16.02.2016

    Die Kardiologin und Genetikerin Brenda Gerull verlegt ihre Wirkungsstätte von Calgary (Kanada) nach Würzburg. Als Ärztin will sie hier eine Spezialambulanz für erbliche Herzerkrankungen einrichten, als Wissenschaftlerin ist sie der Genetik der Herzschwäche auf der Spur.

    Brenda Gerull ist neue Forschungsprofessorin am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz. (Foto: privat)

    Brenda Gerull ist neue Forschungsprofessorin am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz. (Foto: privat)

    Die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist keineswegs mit dem natürlichen Alterungsprozess verbunden. Sie tritt auch bei Kindern und jungen Erwachsenen auf – und das gar nicht so selten. Bei jüngeren Patienten entsteht die Herzschwäche meist infolge einer Herzmuskelerkrankung, die zur Verdickung des Herzmuskels oder zur Erweiterung der Herzkammern führt und dann Funktionsstörungen auslöst.

    Solche Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien) sind sehr häufig genetisch bedingt: „Es gibt davon familiäre Formen, die statistisch betrachtet nur einmal bei 10.000 Menschen vorkommen können. Andere sind relativ häufig und können bei einer von 500 Personen auftreten“, erklärt die neue Würzburger Professorin Brenda Gerull.

    „Ursache sind defekte Gene, also Mutationen im Erbgut. Doch während einige Betroffene ganz symptomfrei ein zunächst unbeschwertes Leben führen, sind andere von Anfang an schwer beeinträchtigt. Mich interessiert, wie es zu diesen verschiedenen Verlaufsformen kommt und wie sich daraus neue Ideen für Prävention, Diagnose und Therapie entwickeln lassen“, so die Wissenschaftlerin.

    Weltweit nur wenige Spezialisten

    Brenda Gerull gehört zu den weltweit nur sehr wenigen Spezialisten, die sich mit den komplizierten genetischen und molekularen Grundlagen von Herzmuskelerkrankungen beschäftigen und ihre Erkenntnisse direkt in die klinische Anwendung überführen. Seit 1. Februar 2016 ist sie Inhaberin der Forschungsprofessur „Kardiovaskuläre Genetik“ am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) in Würzburg.

    Das DZHI ist eine gemeinsame Einrichtung des Universitätsklinikums Würzburg und der Julius-Maximilians-Universität (JMU). Unter seinem Dach wird die Volkskrankheit Herzschwäche systematisch erforscht und behandelt.

    Viel Grundlagenforschung nötig

    Angeborene Herzfehler, erbliche Herzrhythmusstörungen und die Kardiomyopathien sind oft auch Ursache für den plötzlichen Herztod, der bereits mehrfach junge Spitzensportler aus dem Leben riss: Diese oft vererbten Erkrankungen sind ein noch weitestgehend unverstandener Gegenstand in der Medizin.

    „Noch ist sehr wenig bekannt, was die Mutationen, die sich dann als solche Erkrankungen äußern, tatsächlich auf der Ebene von Molekülen, Zellen, Geweben und Organen auslösen. Unbekannt ist auch, wie sich Umweltfaktoren prognostisch günstig oder eher ungünstig auf die genetische Prädisposition auswirken“, so Brenda Gerull. Sehr viel Grundlagenforschung ist also noch von Nöten, um den Geheimnissen des Erbguts im Krankheitsverlauf der Herzerkrankungen auf die Spur zu kommen.

    Kardiologische Spezialsprechstunde geplant

    Doch trotz der noch offenen molekularen Rätsel werden Herzpatienten des Würzburger Uniklinikums in absehbarer Zeit einen unmittelbaren Nutzen von Brenda Gerulls Forschung haben: Die Medizinerin will im neuen DZHI-Gebäude, das voraussichtlich Ende 2016 in Betrieb geht, eine neue Spezialsprechstunde öffnen, in der Familien mit erhöhtem Risiko umfassend beraten werden.

    „Meine Erfahrungen aus Kanada zeigen, dass den meist jüngeren Patienten mit Herzmuskelerkrankungen und Herzrhythmusstörungen sowie deren Familien in gesundheitlicher und auch psychosozialer Hinsicht mit diesem Spezialangebot sehr geholfen werden kann. Die genetische Diagnostik kann in einigen Fällen Therapieoptionen stützen sowie auch präventiv Familienangehörigen helfen, die möglicherweise ein unerkanntes Risiko für diese Erkrankungen tragen“, so die Ärztin.

    Else-Kröner-Fresenius-Förderinitiative

    Das Uniklinikum Würzburg und Prof. Gerull werden aus der Else-Kröner-Fresenius-Förderinitiative für medizinische Spitzenforscher aus dem Ausland mit einem Betrag von 200.000 Euro gefördert.

    Ziel der Förderinitiative ist es, Deutschlands Universitäten bei der Berufung medizinischer Spitzenforscher aus dem Ausland auf Professuren in Deutschland zu unterstützen. Der Schwerpunkt liegt auf der Gewinnung von Medizinern, die sich im Ausland um die produktive Verbindung von klinischer Tätigkeit und hochrangiger, mechanismenorientierter Forschung verdient gemacht haben. Sie sollen ihr im Ausland erworbenes Wissen und ihre Erfahrungen als „Brückenbauer“ zwischen Forschung und Klinik an Deutschlands Universitäten einsetzen und damit zum Fortschritt der klinisch orientierten medizinischen Forschung in Deutschland beitragen.

    Else-Kröner-Fresenius-Stiftung

    Medizinische Fortschritte fördern und Menschen in Not medizinisch helfen – das waren die Antriebskräfte von Else Kröner. Aus der Frankfurter Hirsch-Apotheke und einem kleineren pharmazeutischen Betrieb baute die Unternehmerin und Stifterin das weltweit tätige Gesundheitsunternehmen Fresenius auf. Als Else Kröner am 5. Juni 1988 starb, ging ihr Vermögen auf die von ihr 1983 gegründete gemeinnützige Else-Kröner-Fresenius-Stiftung über. Die EKFS fördert hochkarätige medizinische Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Bis heute hat die Stiftung rund 1.200 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 180 Millionen Euro gefördert.

    Weblinks

    Brenda Gerulls Profil bei Researchgate

    Informationen über Brenda Gerulls Forschung beim DZHI

    Kontakt

    Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI), Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Sabine Kluge, T (0931) 201-46325, Kluge_S@ukw.de

    Von Sabine Kluge

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