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    einBLICK - Online-Magazin der Universität Würzburg

    Diskussion über Integration

    31.05.2016 | VERANSTALTUNGEN
    Die Teilnehmer der Diskussion (v.l.): Burkard Fuchs, Antonette Graber, Eva Peteler und Claus Schreiner. (Foto: GSIK)

    Die Teilnehmer der Diskussion (v.l.): Burkard Fuchs, Antonette Graber, Eva Peteler und Claus Schreiner. (Foto: GSIK)

    Etwa 1.300 Geflüchtete leben zur Zeit in Würzburg. Wie deren aktuelle Lage einzuschätzen ist und wie Integration langfristig gelingen kann, darüber diskutierten jetzt Vertreter der Stadt, der Regierung Unterfranken und des Würzburger Flüchtlingsrates an der Universität Würzburg.

    Die Themengebiete „Geflüchtete in Würzburg heute“ und „Integration in Würzburg für die Zukunft“ standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, zu der sich vor wenigen Tagen rund 50 Studierende und interessierte Bürgerinnen und Bürger eingefunden hatten. Auf dem Podium saßen zwei qua Amt mit dem Thema befasste Diskutanten: Burkard Fuchs, Ehrenamtskoordinator der Stadt Würzburg, und Antonette Graber, Regierungsdirektorin bei der Regierung von Unterfranken. Eva Peteler, Mitglied des Würzburger Flüchtlingsrates, brachte eine weitere Perspektive in die Debatte ein. Durch die 90-minütige Debatte leitete Moderator Claus Schreiner. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte das interdisziplinäre Lehrprojekt „Globale Systeme und Interkulturelle Kompetenz“ (kurz: GSIK) der Universität Würzburg.

    Integration in Würzburg auf gutem Weg

    Die Bestandsaufnahme der Erfolge und Probleme mit der Unterbringung von Geflüchteten fiel dabei gemischt aus: Alle Beteiligten bescheinigten zunächst der Stadt Würzburg, vieles richtig gemacht zu haben. Burkard Fuchs wies dabei vor allem auf die Verteilung der Geflüchteten auf vorwiegend kleinere dezentrale Unterkünfte hin. Diese seien deutlich besser geeignet, Integration zu ermöglichen, bescheinigte auch Eva Peteler. Antonette Graber verwies auf die Pläne der Bayerischen Staatsregierung, langfristig verstärkt auf die größeren Gemeinschaftsunterkünfte zu setzen. Ein Problem sei es, da waren alle drei Diskutanten einig, überhaupt geeigneten Wohnraum zu finden.

    Neben den Wohn- und Unterbringungsproblemen verwies Antonette Graber auf weitere Rahmenbedingungen, die verbesserbar seien: „Das Angebot an Integrationskursen muss vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge deutlich ausgebaut werden, um der Nachfrage gerecht werden zu können.“ Außerdem müssten die Asylverfahren beschleunigt werden. Auch brauche es eine ausreichende Anzahl der erfolgreichen Klassen für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge, die diesen Jugendlichen eine Integration in das Schul- und Ausbildungssystem ermöglichen.

    Fuchs sah Nachholbedarf bei den Jobcentern, die sich noch nicht ausreichend auf die neue Zielgruppe der Geflüchteten eingestellt hätten. Gleichzeitig stellte er eine große Kooperationsbereitschaft des Würzburger Jobcenters fest und forderte Arbeitgeber dazu auf, Angebote für Geflüchtete bereit zu stellen. Peteler schließlich waren die Benachteiligungen für Asylbewerber aus bestimmten Herkunftsländern wie beispielsweise Afghanistan ein Dorn im Auge. „Die Benachteiligungen sind rein politisch motiviert und haben nichts mit der tatsächlichen Situation im jeweiligen Herkunftsland zu tun“, begründete sie ihre Kritik.

    Neue Patenschaftsprogramme der Würzburger Wohlfahrtsverbände

    Auf dem Podium wurden allerdings nicht nur die Probleme thematisiert, sondern auch Lösungswege diskutiert: Antonette Graber sah der Unterbringungsproblematik im Falle eines erneuten Anstiegs der Asylbewerberzahlen gelassen entgegen, da die beteiligten Behörden nun eingespielt seien und ausreichend Unterkunftsplätze zur Verfügung stünden. Der Wohnungspakt Bayern werde zudem langfristig für Entspannung auf dem Markt des sozialen Wohnungsbaus für Geflüchtete wie andere Bedürftige sorgen. Neue Patenschaftsprogramme für Geflüchtete, die die Stadt Würzburg momentan zusammen mit sechs Würzburger Wohlfahrtsverbänden initialisiert, werden außerdem Integration ganz konkret ermöglichen, so Burkard Fuchs.

    Ehrenamt verändert städtische Gemeinschaft positiv

    Gleichzeitig schränkte er ein: „Integration kann nicht von oben verordnet werden und ist keine Einbahnstraße. Öffentliche Einrichtungen können Integration lediglich unterstützen oder behindern, aber nicht selbst erschaffen.“ Peteler forderte dennoch, die Kommunen und Regierungen dürften sich nicht aus der Verantwortung ziehen. „Ehrenamtlichen müssen Unterstützung und professionelle Ansprechpartner zur Seite gestellt werden.“

    Beide waren sich jedoch einig, dass das Engagement der vielen Ehrenamtlichen in Würzburg die Stadtgemeinschaft positiv beeinflusst. „Man unterhält sich, hat gemeinsame Aufgaben. Das stiftet in manchen Stadtteilen Würzburgs gerade eine neue Identität“, so Fuchs.

    Dank an das GSIK-Projekt

    Eva Peteler wünschte sich in Ihrem Schluss-Statement, dass die Studierenden kritisch und wachsam blieben. „Integration gelingt, wenn wir den Mut haben, das zusammen zu gestalten“, sagte sie. Regierungsdirektorin Graber stimmte dem zu. „Die Regierung braucht Ehrenamt und die Kommunen. Anders geht es nicht.“

    Fuchs sprach zum Schluss der Diskussion der Universität Würzburg und speziell dem GSIK-Projekt seinen Dank aus. „Ich bin froh, dass sich die Uni nicht auf den Elfenbeinturm zurückzieht. Es ist wichtig, dass gerade Studierende sich engagieren, denn sie sind die Entscheider von Morgen. Das GSIK-Projekt ermöglicht dieses Engagement mit seinem Programm ‚HumanCare‘, das Studierende ins Ehrenamt vermittelt und dabei professionell begleitet.“

    Hintergrund: GSIK-Projekt

    „Globale Systeme und Interkulturelle Kompetenz“ (GSIK) ist ein Lehrprojekt für alle Studierenden der Universität Würzburg – unabhängig von Studiengang oder Abschluss. Als eine Art Begleitstudiengang ermöglicht es Studierenden, in Seminaren, Workshops und Vorträgen interkulturelle Kompetenzen zu erwerben. Der erfolgreiche Abschluss des von der deutschen Hochschulrektorenkonferenz als „Good Practice-Beispiel“ ausgezeichneten Programms wird von der Universität Würzburg zertifiziert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit „GSIKplus“ das studienbegleitende Lehrprogramm im „Qualitätspakt Lehre“.

    Dominik Egger

    Kontakt

    Dominik Egger, GSIK-Projekt und Institut für Pädagogik
    T (0931) 31-89757, E-Mail:gsik@uni-wuerzburg.de

    Kerstin Surauf, GSIK-Projekt und Zentrum für Lehrerbildung
    T (0931) 31-88255, E-Mail: kerstin.surauf@uni-wuerzburg.de

    Zur Website des GSIK-Projekts

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