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    Firewalls im Bienenstock

    28.03.2017 | FORSCHUNG
    Südafrikanische Honigbienen, die in einer Felsspalte nisten. (Foto: J. Cullinan von ujubee.com)

    Südafrikanische Honigbienen, die in einer Felsspalte nisten. (Foto: J. Cullinan von ujubee.com)

    Wenn es brennt, schützen sich Bienen hinter Wänden aus Wachs. Das haben Forscher der Universität Würzburg gemeinsam mit Biologen aus Südafrika entdeckt.

    Es gibt wohl kein bekannteres Imker-Utensil als die dampfende Pfeife oder den sogenannten Smoker, aus dem Rauch aufsteigt. Öffnet ein Imker einen Bienenstock, nutzt er den Qualm, um die Bienen von der Verteidigung ihres Nestes abzuhalten. So kann er in Ruhe seine Arbeit durchführen. Doch wieso bleiben die Bienen eigentlich auf den Waben?

    Der von den einheimischen Honigbienen am häufigsten genutzte Wohnraum sind hohle Bäume. Dort gehören Waldbrände zu den immer wieder auftretenden natürlichen Gefahren. Wo Feuer ist, ist auch Rauch. Nehmen die Bienen den Rauch wahr, füllen sie ihre Honigblase mit Honig und ziehen sich tief in die Wabengassen zurück.

    Flucht bei Feuer?

    Die am weitesten verbreitete Erklärung für dieses Verhalten besagt, dass sich die Bienen auf diese Weise auf eine Flucht vorbereiten, falls das Feuer für die Kolonie zu bedrohlich wird. Es gibt viele gute Gründe, diese Erklärung kritisch zu überdenken. Für die Königin ist es zum Beispiel unmöglich, an einer Flucht teilzunehmen. Bienenköniginnen sind nur bis zum Hochzeitsflug flugfähig, danach werden sie, bedingt durch ihre enormen Eierstöcke, zu schwer, um noch fliegen zu können.

    Das Problem: Ohne Königin und ohne Brut kann ein vor einem Feuer geflohener Schwarm nicht überleben. Die Flucht käme einem Selbstmord gleich. Zudem stört der Rauch die chemische Kommunikation, auf der ein geordnetes Schwarmverhalten basiert. In der Wissenschaft gibt es keine einzige gesicherte Beobachtung über einen Schwarmauszug bei Feuer.

    Was es allerdings zahlreich gibt, sind Meldungen über vollständig verbrannte Bienenvölker. Forscher spekulieren, dass es für die Bienen möglicherweise physikalisch-thermisch vorteilhaft ist, durch die Aufnahme von Honig das Körpervolumen massiv zu erhöhen und so die Aufnahme von Wärme zu verlangsamen.

    Bienen errichten Feuerschutzwände

    Eine Zusammenarbeit zwischen Biologen aus Südafrika und dem HOBOS-Team der Universität Würzburg führte nun kürzlich zu neuen Erkenntnissen. Teil des Teams war Professor Jürgen Tautz, der das Projekt „HoneyBee Online Studies“ (HOBOS) im Jahr 2006 entwickelte. Erforscht wurde das Verhalten der südafrikanischen Honigbiene Apis mellifera capensis. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich Honigbienen unter bestimmten Umständen regelrechte Feuerschutzwände errichten, hinter denen ein Bienenvolk selbst bei großer Hitze überleben kann.

    Beobachtet wurde dies im Table Mountain National Park in der Region Fynbos in Südafrika. Dort nisten die Honigbienen mangels Baumbestand in Höhlungen und breiten Spalten zwischen Felsen sehr nahe am Erdboden. Immer wieder brechen hier Feuersbrünste aus, in denen an einem einzigen Ort Temperaturspitzen bis zu 550 Grad Celsius und Hitzezeiten bis zu einigen Minuten gemessen wurden. Ungeschützte Bienenkolonien würden das nicht überstehen.

    Die Lebensumstände der dort ansässigen Bienen haben eine fast unglaubliche Lösung zum Schutz vor dem Feuertod hervorgebracht. Sie errichten Feuerschutzwände aus Propolis, einem eigens produzierten Stopfwachs, deren Durchmesser bis zu 30 Zentimeter und deren Dicke einige Zentimeter betragen kann. Diese „firewalls“ verschließen die Höhlungen bis auf einzelne kleine Eingänge zu den dahinter liegenden Waben. Hinter solchen Wänden überleben die meisten Kolonien die Naturkatastrophe.

    Kristina Vonend

    Literatur: Tribe, G., Tautz, J. Sternberg, K. & J.Cullinan: Firewalls in bee nests—survival value of propolis walls of wild Cape honeybee (Apis mellifera capensis). Sci Nat (2017) 104:29, DOI 10.1007/s00114-017-1449-5

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