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    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

    Inklusion: Ein Projekt wird zum Programm

    02.10.2017

    Als Projekt ist „PROMI – Promotion inklusive“ beendet – und wird wegen des großen Erfolges trotzdem fortgeführt. Julia Rath ist die erste „Post-PROMI“-Promovierende, die mit Behinderung die Doktorarbeit in Angriff nimmt.

    Julia Rath mit zahlreichen Unterstützern

    Eine Promovendin und viele Unterstützer. Hintere Reihe von links: Unikanzler Dr. Uwe Klug, Enno Kruse (Leiter der Personalabteilung), Sandra Mölter (Leiterin KIS), Bernd Mölter (Schwerbehindertenbeauftragter), Dr. Olaf Hoos (Beauftragter der Uni für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung). Vorne von links: Unipräsident Alfred Forchel, Betreuerin Prof. Dr. Barbara Schmitz, Promovendin Julia Rath und Torsten Prenner (Arbeitgeber-Service für schwerbehinderte Akademiker der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung). (Foto: Gunnar Bartsch)

    Es sind elf Verse, aber die haben es in sich: Im neunten „Psalm Salomos“ geht es um Fragen von Recht und Gerechtigkeit, vom Bereuen und von der Vergebung der Sünden. Oder, wie Julia Rath sagt: „Mit diesem Psalm sprechen sich die Frommen selbst Mut zu. Sie gedenken der Vergangenheit, deuten ihre Krisenerfahrungen neu und schöpfen aus der Erinnerung an den Bund mit ihrem Gott Kraft für die Zukunft.“

    Julia Rath ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientierte Sprachen der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg. In den kommenden drei Jahren wird sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit die „Psalmen Salomos“ akribisch unter die Lupe nehmen und die konzeptionelle Ausrichtung und die theologischen Anliegen aufzeigen. Diese Texte sind Gebete, die angesichts von erfahrenem Leid, sozialer Not und gesellschaftlichen Umbrüchen entstanden sind und vor dem Hintergrund der eigenen Tradition fragen: „Wie kann man in Krisenzeiten glauben?“

    Stipendiatin mit stetig fortschreitender Muskelschwäche

    Unterstützt wird Julia Rath dabei von einem Programm, das vor vier Jahren unter dem Namen „PROMI – Promotion inklusive“ bundesweit an den Start gegangen ist. Das Programm richtet sich an Studierende mit einer Schwerbehinderung; es finanziert ihnen eine sozialversicherungspflichtige Stelle für die Dauer ihrer Promotion und soll ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

    Julia Rath ist an einer neuralen Muskelatrophie erkrankt. Mit ihrer chronischen Erkrankung gelang es der Promovendin, ihr Studium sehr erfolgreich zu beenden. Dies zeigt sich auch darin, dass sie nicht nur in die Studienstiftung des deutschen Volkes, sondern auch als eine von vierzig Stipendiatinnen ins Karriereförderprogramm für Frauen der Begabtenförderungswerke aufgenommen wurde.

    Kooperation mit der Agentur für Arbeit

    Für Julia Rath ist es wichtig, dass sie während ihrer Promotion sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Denn nur damit geht ein Rechtsanspruch auf die notwendigen beruflichen Reha-Leistungen einher. Dementsprechend kooperiert die Uni im Fall von Julia Rath – wie schon zuvor im PROMI-Projekt – mit dem Arbeitgeberservice Schwerbehinderte Akademiker der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) der Bundesagentur für Arbeit.

    Die Kosten dieser Promotionsstellen teilen mehrere Stellen unter sich auf: Für 50 Prozent kommt die Universität auf, den Rest übernimmt die Agentur für Arbeit.

    Dass Julia Rath seit 1. September als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Katholisch-Theologischen Fakultät lehren und forschen kann, hat sie natürlich nicht der finanziellen Unterstützung durch die ZAV zu verdanken. Lehrstuhlinhaberin Professor Barbara Schmitz, bei der Julia Rath bereits seit 2012 als studentische Hilfskraft tätig ist, hat sie sehr gerne als Doktorandin angenommen. Julia Rath habe im Laufe ihres Studiums „hervorragende Leistungen, Begeisterung für die Wissenschaft und die Bereitschaft, sich hineinzuknien“ gezeigt. Das Programm habe es ermöglicht, nahtlos vom Studium in die Arbeit zu wechseln – ohne Zeitverlust und Unwägbarkeiten, wie sie mit einem Antrag auf ein Stipendium in der Regel verbunden seien.

    PROMI – Promovieren inklusive

    Das PROMI-Projekt ist im Jahr 2013 an den Start gegangen unter der Leitung von Wissenschaftlern der Universität Köln. Insgesamt 45 Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit einer Behinderung haben in seinem Rahmen die Möglichkeit zur Promotion erhalten, verteilt auf 21 Universitäten in ganz Deutschland. An der Universität Würzburg gibt es insgesamt vier PROMI-Promovierende; der erste von ihnen hat Anfang 2017 seine Doktorarbeit erfolgreich abgeschlossen und arbeitet jetzt in der Verwaltung der Bundeswehr.

    Offiziell ist das Projekt inzwischen beendet; weitere Promovierende werden nicht mehr aufgenommen. Weil es jedoch so erfolgreich verlaufen ist, wird die Agentur für Arbeit auch weiterhin Studierende mit Behinderung in vergleichbarem Maß unterstützen. Julia Rath ist sozusagen die erste Post-PROMI-Promovendin.

    Auch Unipräsident Alfred Forchel äußerte sich erfreut über die Fortführung des Programms: „Es ist schön, wenn auf diese Weise qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf ihrer akademischen Laufbahn Unterstützung erhalten“, so Forchel. Und für die betreuende Stelle bedeute die Unterstützung durch die ZAV eine „wichtige finanzielle Erleichterung“.

    Betreut von KIS

    Ansprechpartnerin an der Universität Würzburg ist Sandra Mölter, Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS). Unterstützt wird sie vom Schwerbehindertenbeauftragten der Universität, Bernd Mölter, und von Dr. Olaf Hoos, dem Beauftragten der Uni für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung.

    Für Hoos ist klar, dass PROMI weitergeführt werden muss – wenn auch nicht als Projekt. „Das ist eine Daueraufgabe, die Strukturen zu schaffen, die Studierenden mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung den Übergang vom Studium zur Promotion erleichtern“, so Hoos.

    Zur Website von KIS: www.kis.uni-wuerzburg.de

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