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    Neue Ursache für Immun-Neuropathien entdeckt

    02.08.2016 | FORSCHUNG
    Bindung von Patientenserum an Ranvierschen Schnürringen. (Foto: Kathrin Doppler)

    Bindung von Patientenserum an Ranvierschen Schnürringen. (Foto: Kathrin Doppler)

    Würzburger Neurologen haben Antikörper entdeckt, die an der Entstehung bestimmter Formen von Nervenleiden beteiligt sind. Damit konnten sie auch den Weg für eine erfolgreiche Therapie dieser Krankheiten aufzeigen.

    Patienten mit sogenannten Immun-Neuropathien haben oft eine lange Krankengeschichte: Da es keinen diagnostischen Test gibt, der die Erkrankung sicher nachweisen kann, wird die Diagnose oft sehr spät gestellt, und es kann zu Fehldiagnosen kommen. Entsprechend vergehen oft viele Jahre bis eine Therapie erfolgt. Allerdings sprechen auch bei raschem Therapiebeginn nicht alle Patienten auf die Medikamente der ersten Wahl an.

    Als Ursache dieser Neuropathien wird ein Autoimmunprozess angenommen, bei dem sich das eigene Immunsystem gegen Bestandteile der Nervenfasern richtet und diese zerstört. „Wie genau dieser Mechanismus abläuft, ist noch weitgehend unklar. Das erschwert natürlich die Entwicklung zielgerichteter Medikamente“, sagt Dr. Kathrin Doppler, Fachärztin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Würzburger Universitätsklinikums.

    Publikation in Brain

    Einen potenziellen Auslöser solcher Neuropathien hat Kathrin Doppler zusammen mit der Medizindoktorandin Luise Appeltshauser und Claudia Sommer, leitende Oberärztin und Professorin für Neurologie, jetzt in einer neuen Studie identifiziert. Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Brain vor.

    „Wir konnten feststellen, dass bei einem Teil der Patienten Antikörper gegen das Protein Caspr vorliegen“, schildert Kathrin Doppler das zentrale Ergebnis dieser Studie. Caspr ist am Aufbau der sogenannten Ranvierschen Schnürringe beteiligt – einer Struktur an der Nervenfaser, die besonders wichtig für die Weiterleitung von Nervenimpulsen ist. Die Wissenschaftlerinnen konnten zeigen, dass bei Patienten mit Antikörpern gegen Caspr der Aufbau der Ranvierschen Schnürringe zerstört wird und die Nervenleitung stark beeinträchtigt ist.

    Erfolgreiche Therapie bei Betroffenen

    In ihrer Studie untersuchten die Würzburger Forscherinnen 35 Patienten mit chronisch inflammatorischer demyelinisierender Polyneuropathie (CIDP), einer chronischen Form der Nervenentzündung, und 22 Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom, einer akuten Form. Bei jeweils einem Patienten mit CIDP und mit Guillain-Barré-Syndrom konnten die Antikörper gegen das Protein Caspr im Blut nachgewiesen werden. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftlerinnen zeigen, dass die Antikörperbildung bei diesen Patienten durch das Medikament Rituximab gehemmt werden kann und die Symptome sich dadurch zurückbilden.

    Auch wenn Antikörper gegen Caspr nur bei einem kleinen Teil der Patienten nachweisbar sind, so sind Antikörper-assoziierte Immun-Neuropathien insgesamt vermutlich häufiger, als bislang angenommen. Caspr ist nämlich schon das dritte Protein in diesem Bereich des Ranvierschen Schnürrings, gegen das nun Autoantikörper nachgewiesen wurden. Neben den Würzburger Neurologinnen haben in den vergangenen Jahren auch Wissenschaftler aus Spanien und Japan Autoantikörper gegen zwei andere Schnürringproteine, Contactin-1 und Neurofascin-155, bei Patienten mit Immun-Neuropathien nachweisen können.

    Hoffnung auf eine bessere Diagnose

    „Unsere Studie bestärkt die Annahme aus den Vorläuferstudien, dass Patienten mit Antikörpern gegen Proteine des Ranvierschen Schnürrings charakteristische Merkmale aufweisen“, sagt Kathrin Doppler. Das heißt: Die Erkrankung entwickelt sich schnell, führt zu schweren Lähmungen und spricht schlecht auf die übliche Therapie mit Kortikosteroiden oder Immunglobulinen an, sehr gut hingegen auf eine Therapie mit Rituximab. Bei den beiden Patienten mit Caspr-Antikörpern konnten die Würzburger Neurologen als weiteres charakteristisches Merkmal starke Nervenschmerzen feststellen. Bei Patienten mit Antikörpern gegen die beiden anderen Proteine – Neurofascin-155 und Contactin-1 – gilt hingegen ein ausgeprägtes Zittern bei zielgerichteten Bewegungen als typisch.

    Nach Aussage der Würzburger Wissenschaftlerinnen gibt diese Studie Anlass zur Hoffnung, dass zumindest bei einem Teil der Patienten mit entzündlicher Neuropathie eine Ursache identifiziert werden kann, und dass diese Patienten durch einen einfachen Bluttest auf das Vorliegen der Autoantikörper identifiziert und zielgerichtet behandelt werden können.

    Auto-antibodies to contactin-associated protein 1 (Caspr) in two patients with painful inflammatory neuropathy. Doppler K, Appeltshauser L, Villmann C, Martin C, Peles E, Krämer HH, Haarmann A, Buttmann M, Sommer C.Brain. 2016 Jul 29. DOI: 10.1093/brain/aww189

    Kontakt

    Dr. Kathrin Doppler, T: (0931) 201-23787, Doppler_k@ukw.de

    Prof. Dr. Claudia Sommer, sommer@uni-wuerzburg.de

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