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    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

    Paralympics-Gewinnerin Kober spricht an der Uni

    14.01.2014

    Birgit Kober ist eine der bekanntesten deutschen Sportlerinnen mit Behinderung. 2012 holte sie in London bei den Paralympics zwei Goldmedaillen. Zu diesem Erfolg gehört jedoch auch eine lange Krankengeschichte. Kober spricht an der Uni Würzburg über die Kraft des Willens: "Aufgeben gibt's nicht."

    Als Birgit Kober 2012 bei den Paralympics in London ihren Wettkampf bestreitet, ist es bereits spät geworden. Das Stadion ist gut gefüllt, alle anderen Wettbewerbe sind beendet. Als sie ihren Speer aufnimmt, richten sich alle Blicke auf sie, die Zuschauer beklatschen Kobers Vorbereitung. Dann schleudert die behinderte Sportlerin den Speer aus dem Sitzen mehr als 27 Meter weit. Das Publikum feiert Kober frenetisch.

    "Das war ein ganz besonderes Erlebnis, wenn ein ganzes Stadion einen einklatscht. Dann habe ich Weltrekord geworfen. Diese Erinnerung verlässt mich nie wieder", sagt Kober. Drei Tage später holt sie auch noch Gold im Kugelstoßen – und stellt dabei ebenfalls einen neuen Weltrekord auf. Dass mit diesem sportlichen Triumph persönlich sehr schwere Jahre einhergehen, erschließt sich erst auf den zweiten Blick.

    Schwere Bewegungseinschränkungen durch Behandlungsfehler

    Als Kind griff die heute 42-Jährige erstmals zum Speer und feierte schnell erste Erfolge. Dann erkrankte sie jedoch an Epilepsie und konnte keinen Leistungssport mehr betreiben. Die körperlichen Einschränkungen hielten sich zu dem Zeitpunkt noch in Grenzen.

    2007 ändert sich ihr Leben jedoch schlagartig: Ein Behandlungsfehler in einem Münchener Krankenhaus zieht weitreichende Konsequenzen nach sich. Die Ärzte verabreichen Kober die 25-fach erhöhte Dosis eines Epilepsie-Medikamentes, sie überlebt nur knapp. In der Folge kommt es zu einer Ataxie. Diese Erkrankung ist durch starke Bewegungs- und Koordinationsstörungen gekennzeichnet; die Studentin ist von da an auf einen Rollstuhl angewiesen.

    Ab sofort sind es bereits die kleinen, die banalen Dinge, die ihr den Alltag erschweren. Sie kann ihre Wäsche zwar in die Maschine laden, sie jedoch nicht herausnehmen und aufhängen. Sie ist auf Hilfe angewiesen. Ihr Studium der Pädagogik kann sie nicht zu Ende bringen. Um ihrem Alltag wieder eine Struktur zu geben, entdeckt sie den Sport ein zweites Mal. Die Fernsehbilder von den Paralympics in Peking 2008 motivieren sie zusätzlich. "Der Sport ist mein Motor im Leben, er hat mich zurück ins Leben gebracht. Ohne ihn hätte ich keinen Alltag, kein zweites Leben", sagt Kober.

    Training in der Tiefgarage

    Birgit Kober trainiert von da an regelmäßig unter Tage. Sie stößt die Kugel aus einer Tiefgarage auf die ansteigende Ausfahrt und wartet, bis die Kugel wieder vor ihren Füßen liegt. Immer und immer wieder. Mit dem Speer übt sie auf einer Wiese im Stadtpark. 2011, nur vier Jahre nach dem Behandlungsfehler, tritt sie bei den Weltmeisterschaften im Neuseeländischen Christchurch im Speerwurf und beim Kugelstoßen an. Sie gewinnt beide Vergleiche auf Anhieb. Zum Triumph in London kommen 2012 zwei weitere Goldmedaillen hinzu: Auch bei der Europameisterschaft im niederländischen Stadskanaal kann niemand sie schlagen. 2013 verteidigt sie ihre WM-Titel im französischen Lyon.

    Vom Leben eines Sportstars ist Birgit Kobers Realität dennoch weit entfernt. Sie lebt in München in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, die nicht einmal ein behindertengerechtes Bad hat. Zum Duschen fährt sie mit ihrem Rollstuhl in das benachbarte Fitnesscenter. Ihr Einkommen bestreitet sie durch Hartz-IV. Auch in dieser Zeit geht sie täglich trainieren.

    Nebenher trägt sie einen kräftezehrenden Rechtsstreit mit dem Klinikum Rechts der Isar um die Zahlung von Schmerzensgeld aus. Nach einer insgesamt sieben Jahre dauernden Auseinandersetzung stimmt sie 2013 einem Vergleich zu. "Ich habe mich dazu entschieden, es an diesem Punkt zu beenden. Ich möchte damit abschließen", sagt Kober in einem Interview mit dem Bayerischen Fernsehen. Ihr nächstes sportliches Ziel sind die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Und auch beruflich hat sie sich eine neue Perspektive eröffnet. Sie absolviert seit Herbst 2013 eine zweijährige Ausbildung zur Heilpraktikerin.

    "Aufgeben gibt's nicht - egal, was passiert!"

    Kobers Erfolge sind ein Beispiel dafür, was Menschen mit Willenskraft erreichen können. In ihrem Vortrag wird sie über ihre eindrucksvolle sportliche und persönliche Entwicklung sowie die alltäglichen und sportbezogenen Herausforderungen für Personen im Rollstuhl sprechen. "Ich würde mir wünschen, dass ich mit meinem Leben Spuren hinterlassen könnte", sagt Kober und ergänzt: "Ich habe Spaß an vielem was ich tue – auch wenn mein Leben nicht so leicht ist."

    Der Vortrag am Donnerstag, 16. Januar, wird gemeinsam vom Lehrstuhl Sonderpädagogik II/Körperbehindertenpädagogik, der Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung (KIS) und dem Sportzentrum der Universität Würzburg veranstaltet. Die kostenfreie und öffentliche Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Hörsaal 2 der Uni am Wittelsbacherplatz.

    Kontakt

    Olaf Hoos, wissenschaftlicher Leiter des Sportzentrums und stellvertretender Beauftragter für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung. E-Mail: olaf.hoos@uni-wuerzburg.de

    Link zum Video-Beitrag "'Die Kraft liegt einfach in mir drin …' - das zweite Leben der Birgit Kober" aus der Reihe "Stolperstein" in der Mediathek des Bayerischen Fernsehens.
    http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/stolperstein/stolperstein-138.html

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