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    Projekt zur Präzisions- und Telemedizin

    Cartoon, der ein Ziel des Digitalisierungszentrums illustriert. (Bild: Robert Wenzl / Uniklinikum Würzburg)

    Ein Ziel des Digitalisierungszentrums Präzisions- und Telemedizin: Das Anordnen von radiologischen Untersuchungen durch die Einbeziehung von Big Data, Künstlicher Intelligenz und Expertenwissen präzisieren und vereinfachen. (Bild: Robert Wenzl / Uniklinikum Würzburg)

    Wie können Methoden der Künstlichen Intelligenz medizinische Behandlungen weiter verbessern und den Arbeitsalltag von Ärzten vereinfachen? Das wollen drei unterfränkische Institutionen gemeinsam ausloten.

    Wie können große Datenmengen, zum Beispiel aus digitalen Patientenakten, unter Berücksichtigung aller Datenschutz- und Sicherheitsaspekte für eine noch präzisere und effizientere Behandlung von Erkrankten nutzbar gemacht werden? Das ist eine Kernfrage des „Digitalisierungszentrums Präzisions- und Telemedizin“ (DZ.PTM), das seit 1. Juni 2018 vom bayerischen Wissenschaftsministerium gefördert wird.

    In dem virtuellen Zentrum kooperieren unter Federführung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) das Institut für Informatik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und das Dienstleistungsunternehmen Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen. An einem Teilprojekt ist das Uniklinikum Regensburg beteiligt.

    Digitale Patientenakten als Big-Data-Teststrecke

    Bei der Konzeption des Projekts federführend war Professor Christoph Reiners. Der ehemalige Ärztliche Direktor des UKW ist seit seiner Pensionierung Ende 2015 wissenschaftlicher Sprecher der Plattform „Gesundheit/Medizin“ der vom Freistaat getragenen Kooperations-, Forschungs- und Gründungsplattform Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B).

    „Das Uniklinikum Würzburg ist mit mehreren Millionen digitalen Patientenakten im Besitz eines riesigen Informationsschatzes, der durch intelligente Datenverarbeitung zum Wohle zukünftiger Patienten erschlossen werden kann“, ist Reiners sicher.

    Ein Ziel des neuen Digitalisierungszentrums sei es, diese „Big Data“ in einem nach außen geschützten Datenintegrationszentrum so aufzubereiten, dass sie vollkommen anonymisiert und sicher als „Teststrecke“ für die Entwicklung und Erprobung zukünftiger Digitalisierungsprojekte im Gesundheitswesen zur Verfügung stehen.

    Das Servicezentrum für Medizininformatik des UKW unter der Leitung von Helmut Greger hat mit Professor Frank Puppe vom Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz und Angewandte Informatik der Würzburger Universität erhebliche Vorarbeiten für ein solches Datenintegrationszentrum geleistet.

    Anwendungsfall: Radiologische Untersuchungen anfordern

    Einige Digitalisierungsideen werden nun beispielhaft verfolgt. So soll mit Professor Thorsten Bley vom Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie des UKW erforscht werden, ob und wie sich das Anordnen radiologischer Untersuchungen durch Methoden der Künstlichen Intelligenz optimieren lässt.

    Für die Diagnostik stehen den Ärztinnen und Ärzten heute unterschiedliche Bildgebungsverfahren zur Verfügung – vom Ultraschall bis zum PET/CT. Bei der Entscheidung für das im Einzelfall zielführende Verfahren greifen sie auf Lehrbücher und Leitlinien sowie auf eigene Erfahrungen und die von Kollegen zurück. „Diese Informationen beziehen sich aber nie auf den individuellen Patienten, sondern auf ganze Patientengruppen mit ähnlichen Diagnosen und Erkrankungsstadien. Die damit verbundenen Ungenauigkeiten führen häufig noch zu zeit- und kostenaufwändigen Bildgebungskaskaden mit teilweise vermeidbarer Strahlenbelastung für die Patienten“, sagt Reiners.

    Bei einer intelligenten Nutzung von Digitalisierungsmöglichkeiten, die auch Häufigkeitsstatistiken aus vergleichbaren Patientenakten und die Unterstützung durch speziell ausgebildete Experten einbeziehen, könnte dieser Entscheidungsprozess im Sinne der „Präzisionsmedizin“ verbessert und formal vereinfacht werden. Das Ergebnis wären präzisere, schnellere und preiswertere Abläufe, die eine „Überdiagnostik“ vermeiden und sowohl die Patienten als auch das klinische Personal entlasten.

    Teilprojekt: Telemedizin für Menschen mit Seltenen Erkrankungen

    In einem weiteren Zweig kooperiert das neue Digitalisierungszentrum eng mit dem Projekt BASE-NET der bayerischen Zentren für Seltene Erkrankungen.

    „Für Seltene Erkrankungen gibt es bayern- oder gar deutschlandweit oft nur wenige Experten. Bei akuten Problemen oder Routinekontrollen wäre für die Betroffenen eine Versorgung vor Ort mit telemedizinischer Unterstützung durch einen Spezialisten extrem hilfreich“, sagt Reiners. Hierzu fehle jedoch bisher die Infrastruktur.

    Ziel von BASE-NET beziehungsweise des DZ.PTM ist die Entwicklung einer speziellen digitalen Patientenakte. Angestrebt wird außerdem der Aufbau einer IT-Vernetzung der spezialisierten Behandlungszentren mit den Patienten sowie den behandelnden Ärzten und Einrichtungen vor Ort. Die Federführung von BASE-NET haben die Uniklinika Regensburg und Würzburg.

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