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    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

    Überrascht von Bologna

    26.09.2017

    Florian Geidner war zum Studieren in Bologna. In den Vorlesungen dort fühlte er sich wie im Mittelalter. Und er hat gelernt: Italien ist nicht nur das Land, in dem die Zitronen blühen.

    Florian Geidner

    Florian Geidner in Bologna. (Foto: privat)

    Wie ist es, an der ältesten Universität Europas zu studieren? „Das war interessant in Bologna, dort ticken die Uhren noch wie früher“, so Florian. Er ist Masterstudent in der Geschichte und hat das Wintersemester 2016/17 in Italien verbracht. Ganz bewusst hat er sich für die traditionsreiche Universität in Bologna, die 1088 gegründet wurde, entschieden. Er ist froh, die Erfahrungen dort gemacht zu haben.

    Vorlesungen auf hohem Niveau

    Studieren in Bologna sei wie eine Zeitreise gewesen, sagt der Würzburger Student: Alte Professoren, die im Hörsaal auf und ab laufen und über das dozieren, was ihnen gerade durch den Kopf geht. „Die Vorlesungen sind aber trotzdem auf sehr hohem Niveau.“ Er habe sich nur immer gefragt, wie die Dozenten beim nächsten Mal an das Gesagte anknüpfen wollen, so ganz ohne Notizen und Plan. Aber irgendwie hätten sie es geschafft, den Faden nicht zu verlieren.

    Die Prüfung als Erlebnis

    Anders als in Würzburg müssen die Studierenden der Geschichte an der Uni Bologna selten Hausarbeiten schreiben. „Das eigenständige Arbeiten und die Entwicklung eines Konzepts fällt ihnen unglaublich schwer“, sagt Florian. Bei der mündlichen Prüfung am Ende des Semesters werden keine eigenen Gedanken erwartet, denn man müsse lediglich den Inhalt eines Textes zusammenfassen und vortragen.

    Trotzdem war die Prüfungssituation ein echtes Erlebnis für den Geschichtsstudenten. Anders als in Würzburg gebe es keine Einzeltermine. „Es sind einfach alle Studierenden da und man erfährt erst vor Ort, wann man drankommt.“ Es sei keine Seltenheit, dass man zwei Tage darauf wartet, abgefragt zu werden. Die Professoren bestimmen nämlich auch die Dauer der Gespräche. Gestört habe ihn die Warterei am Ende aber nicht mehr. Denn wenn er etwas von den Italienern gelernt habe, dann Gelassenheit.

    Rebellische Studenten

    Gelernt hat er auch, dass die Studierenden gerne rebellieren: Es sei nicht ungewöhnlich, dass sie aus ganz banalen Anlässen das Inventar der Universität demolieren oder sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern. „Das gehört dort irgendwie zum Studentenleben mit dazu.“

    Beispiel gefällig? Als er in Bologna war, war ein neues Drehkreuz am Eingang der Bibliothek der Grund für die Randale. „Es wurde da angebracht, weil so viele Bücher gestohlen wurden“, erzählt Florian. Die Universität wollte sicher gehen, dass nur Befugte Zugang haben. „Sinn hat der Protest nicht wirklich gemacht.“ Irgendwie gehöre das Rebellieren in Italien aber scheinbar zum guten Ton, wenn man studiert.

    In Bologna habe die Uni einen ganz anderen Stellenwert als beispielsweise in Würzburg. Das habe einen bestimmten Grund, sagt Florian: Auf rund 300 000 Einwohner kommen etwa 100 000 Studierende – und die bestimmen die Identität der Stadt maßgeblich mit.

    Insbesondere bei der Wohnungssuche koste das Nerven. „Viele teilen sich sogar ein Zimmer, weil es so viele Leute gibt, die einen Schlafplatz brauchen.“ Florian hatte damals Glück, wie er sagt. Sein WG-Zimmer bei einem italienischen Pärchen hat er im Internet gefunden. Zwar etwas außerhalb der Innenstadt, aber durch die gute Busanbindung wäre das gar kein Problem gewesen.

    „Ein Pluspunkt war sicher, dass ich Italienisch kann“, erzählt er. Viele Einheimische sprechen nicht gut oder ungern Englisch. Deshalb hat Florian einen Rat für diejenigen, die zum Studieren nach Italien wollen: „Lernt die italienische Sprache, sonst bleibt euch ein Großteil des Lebensgefühls verschlossen, und das wäre schade.“

    La Dolce Vita

    Florian ist froh, in Italien studiert zu haben. Einerseits war der Aufenthalt zielführend für seinen Schwerpunkt im Master – die historische Beziehung zwischen Deutschland und Italien. Andererseits haben ihm die fünf Monate auch gezeigt, wie das Arbeitsleben dort ist. „Ich habe meine rosarote Brille abgelegt“, sagt der junge Mann. Italien sei eben nicht nur das Land, in dem die Zitronen blühen.

    Desillusioniert habe ihn besonders die Situation seiner Mitbewohner: Dario habe drei Jobs gehabt, seine Freundin zwei. „Und beide können sich mit dem Geld gerade so über Wasser halten, obwohl sie ein abgeschlossenes Studium haben.“

    Wenn der Würzburger Student später promoviert, kann er sich vorstellen, für ein oder zwei Jahre nach Italien zum Forschen zu gehen. Aber für immer? Das hält er aufgrund der hohen Lebenskosten und der niedrigen Gehälter momentan nicht für erstrebenswert. „La Dolce Vita“ habe er aber mit in die Heimat genommen und fest in seinen Alltag integriert.

    Zum Austauschprogramm Erasmus

    Erasmus ist das größte Austauschprogramm weltweit. Es bietet Studierenden die Möglichkeit, im Ausland zu studieren oder dort ein Praktikum zu machen. In einer kleinen Serie in einBLICK schildern einige Erasmus-Teilnehmer ihre Erlebnisse.

    Florian Geidner war allerdings nicht mit Erasmus in Bologna. Der Grund: In seinem Fach, der Geschichte, gibt es laut International Office keinen Erasmus-Austausch. Dafür steht den Studierenden ein anderer Weg offen, den auch Florian genutzt hat, ein Austausch über die Coimbra-Gruppe. Diese Gruppe ist ein Zusammenschluss renommierter europäischer Volluniversitäten mit langer akademischer Tradition. Einige Coimbra-Universitäten haben untereinander einen Studierendenaustausch vereinbart.

    Das International Office der Uni Würzburg berät Studierende, die ins Ausland gehen möchten:

    Website des International Office

    Von Judith Küfner

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