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    Zweiter ERC-Grant für Holger Braunschweig

    26.05.2015

    Chemiker Holger Braunschweig ist der erste Professor, der während seiner Zeit an der Uni Würzburg ein zweites Mal einen "Advanced Grant" vom Europäischen Forschungsrat (ERC) erhält. Braunschweig bekommt 2,5 Millionen Euro für seine Arbeiten rund um das Element Bor.

    Holger Braunschweig ist der erste Wissenschaftler an der Universität Würzburg, der ein zweites Mal einen "Advanced Grant" vom Europäischen Forschungsrat ERC bekommt. (Foto: Uni Würzburg)

    Holger Braunschweig ist der erste Wissenschaftler an der Universität Würzburg, der ein zweites Mal einen "Advanced Grant" vom Europäischen Forschungsrat ERC bekommt. (Foto: Uni Würzburg)

    Holger Braunschweig, Professor für Anorganische Chemie an der Universität Würzburg, ist ein Experte für die Chemie des Elements Bor. Das Element Bor (B) ist im Periodensystem der Elemente ein direkter "Nachbar" des wohl am umfangreichsten erforschten Elements: Kohlenstoff (C). Im Vergleich zu Kohlenstoff ist Bor noch weitgehend unerforscht. Braunschweigs Entdeckungen der letzten zehn Jahre haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich diese Situation nach und nach verbessert.

    Bor hat ein starkes Defizit an Elektronen, das es ausgleicht, indem es sich bereitwillig mit anderen Elementen verbindet. Dabei entstehen oft außergewöhnliche Moleküle, die zugrunde liegenden Prozesse sind jedoch schwer kontrollierbar. Als wegweisend gelten Braunschweigs Arbeiten, mit denen er dieses im Labor schwer zu handhabende Element durch die Verbindung mit Metallen gewissermaßen "gezähmt" hat.

    2012 machte eine Veröffentlichung Braunschweigs im Fachmagazin Science weltweit Schlagzeilen; seiner Arbeitsgruppe gelang die erste Bor-Bor-Dreifachbindung. Dieser Durchbruch und weitere Entdeckungen verstärkten in der Folge die Auffassung, dass die organische Chemie und die Chemie des anorganischen Elements Bor weit weniger unterschiedlich sind als zuvor angenommen.

    ERC Grant ermöglicht Erforschung von Mehrfachbindungen

    Braunschweigs zweiter ERC-Grant ermöglicht ein umfassendes Forschungsprogramm zu Bor-Bor-Mehrfachbindungen - "eine Substanzklasse, die bis vor kurzem sehr schwer im Labor zu realisieren war", sagt Holger Braunschweig. Der Antrieb für ihn und seine Mitarbeiter sind die herausragenden physikalischen Eigenschaften der bereits im Labor entstandenen Mehrfachbindungen. Sie fanden bereits in Polymeren, leuchtenden Molekülen und in Reaktionen von industriell relevanten Gasen wie Kohlenmonoxid und Wasserstoff Verwendung.

    "Wir werden die ERC-Mittel einsetzen, um die ungewöhnliche Reaktivität und die besonderen Eigenschaften dieser Moleküle voll auszuschöpfen", sagt Braunschweig. Mögliche Anwendungen sieht er in der Elektronik und Materialchemie.

    Die ERC-Grants, vergeben vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC), sind die renommiertesten europäischen Wissenschaftspreise. Die Preise sind sehr hoch dotiert und ermöglichen es den Preisträgern, aufwendige Projekte anzugehen. Der Forschungsrat vergibt sie in verschiedenen Kategorien und orientiert sich dabei am Verlauf der wissenschaftlichen Karrieren: für "aussichtsreiche Nachwuchsforscher" gibt es den Starting Grant, für "besonders aussichtsreiche Forschungstalente" den Consolidator Grant und für "etablierte Spitzenwissenschaftler" den Advanced Grant. Dieser ist mit 2,5 Millionen Euro Fördersumme am höchsten dotiert.

    Seit 2008 wurden insgesamt fünf Wissenschaftler der Uni Würzburg mit einem ERC Advanced Grant ausgestattet. Braunschweig ist der erste, dem dies nun ein zweites Mal gelang. 

    ERC-Grant aus 2011 machte überraschende Entdeckungen möglich

    Die Fördersumme aus dem Jahr 2011, als Braunschweig den ersten ERC-Grant bekam, nutzte er zur Erforschung von Mehrfachverbindungen zwischen Bor und Metallen. Unter anderem fanden die Wissenschaftler Metall-Bor-Systeme, die eine vergleichsweise einfache und kontrollierte Bindung zwischen Bor und Kohlenstoff ermöglichten.

    Die Entdeckung, dass sich kurze Bor-Ketten durch die Aneinanderreihung einzelner Bor-Atome konstruieren lassen, publizierten Braunschweig und seine Kollegen 2012 in der renommierten  Fachzeitschrift "Nature Chemistry." Die Arbeit gilt als Meilenstein in der Erforschung von vollkommen neuen Polymer-Arten, die alleine auf Bor basieren.

    Holger Braunschweig: ein vielfach ausgezeichneter Chemiker

    Holger Braunschweig, geboren 1961, studierte von 1983 bis 1988 Chemie in Aachen und wurde dort 1990 promoviert. Nach einem einjährigen Aufenthalt als Postdoc in Brighton habilitierte er sich 1998 in Aachen. Dort blieb er als Oberassistent bis 2000 und ging für zwei Jahre als "Senior Lecturer" und "Reader" an das Imperial College London, um dann 2002 als Nachfolger von Helmut Werner auf einen Lehrstuhl für Anorganische Chemie in Würzburg berufen zu werden.

    Braunschweig wurde in den vergangenen Jahren oft ausgezeichnet. 2009 erhielt er den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und wurde ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er wurde hier in die mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse gewählt. Zudem ist er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften – Leopoldina. 2014 bekam Braunschweig zudem den "Main Group Chemistry Award" der britischen Royal Society of Chemistry. In diesem Zusammenhang wird er einige Vorlesungen an verschiedenen britischen Universitäten halten.

    Links und weiterführende Informationen:

    Liste der bisher an der Uni Würzburg durch den ERC geförderten Wissenschaftler:
    http://www.uni-wuerzburg.de/ueber/universitaet/persoenlichkeiten/ercgrants/

    Website des Europäischen Forschungsrates: http://erc.europa.eu/

    Kontakt:

    Prof. Dr. Holger Braunschweig, Lehrstuhl für Anorganische Chemie II (Leiter)
    T.: +49 (0) 931 31 85260, E-Mail: h.braunschweig@uni-wuerzburg.de

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