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11.03.2014

Lebenslanges Lernen in Europa

International ging es im Februar am Institut für Pädagogik zu: Zehn Tage lang befassten sich dort 52 Studierende aus europäischen Universitäten mit dem Thema „lebenslanges Lernen“. Überrascht waren sie von der Vielfalt der Würzburger Weiterbildungslandschaft.

Die Teilnehmer der Würzburger Winter School zum Thema „lebenslanges Lernen“ im Hörsaalbau Z6. Vorne links die Würzburger Professorin Regina Egetenmeyer. (Foto: Institut für Pädagogik)

Die Teilnehmer der Würzburger Winter School zum Thema „lebenslanges Lernen“ im Hörsaalbau Z6. Vorne links die Würzburger Professorin Regina Egetenmeyer. (Foto: Institut für Pädagogik)

Welche Strategien des lebenslangen Lernens verfolgen die Europäische Union und die UNESCO? Welche Bedeutung haben diese Strategien für europäische Staaten? Wie unterscheiden sich einschlägige bildungspolitische Aktivitäten in Deutschland, Portugal, Schottland, Italien und Ungarn?

Solchen Fragen gingen 52 Studierende und zehn Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern nach. Sie trafen sich vom 10. bis 21. Februar an der Universität Würzburg zu einer Winter School im Rahmen des Erasmus-Intensivprogramms „Comparative Studies in European and International Strategies for Lifelong Learning“.

Gastgeberin war Regina Egetenmeyer, Professorin für Erwachsenenbildung/Weiterbildung am Institut für Pädagogik. Die Winter School diente zum einen der Internationalisierung des Master-Studiengangs „Bildungswissenschaft“ und kam damit auch den Würzburger Studierenden zu Gute. Zum anderen trug sie dazu bei, die internationale Sichtbarkeit der Würzburger Professur weiter zu erhöhen.

Würzburger Einrichtungen erkundet

Ein Höhepunkt der Winter School war die Erkundung von vier Würzburger Weiterbildungseinrichtungen. Danach waren die Studierenden und Wissenschaftler von der Vielfalt der hiesigen Weiterbildungslandschaft sehr beeindruckt.

Im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus ging es um das Spannungsverhältnis von humanistischen Bildungsidealen und Anforderungen des Weiterbildungsmarktes. In der Industrie- und Handelskammer wurde deren Weiterbildungsengagement ebenso vorgestellt wie die Lebensläufe einiger Lehrgangsabsolventen. Bei der Akademie Frankenwarte gab es Einblicke in die politische Bildungsarbeit, während bei der Kolping-Akademie die berufliche Bildungsarbeit im Mittelpunkt stand.

Lebenslanges Lernen im europäischen Vergleich

Ein weiterer Höhepunkt der Winter School war der Vergleich ausgewählter Aspekte des lebenslangen Lernens in unterschiedlichen Ländern: Wie unterscheiden sich die Ressourcen für lebenslanges Lernen? Welche Formen der Ausbildung gibt es in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung? Wie unterscheiden sich die Zugangsmöglichkeiten zur Hochschulbildung?

Zu diesen Fragen erstellten die Studierenden Papiere zur Situation in ihren eigenen Ländern. In Kleingruppen arbeiteten sie dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und präsentierten ihre Ergebnisse auf Postern. Die Resultate stehen inzwischen auf der Homepage des Intensive Programmes unter www.lifelonglearning.uni-wuerzburg.de/comparative_project_work

Von Gästen aus Europa unterrichtet

Vom Verband für Europäische Erwachsenenbildung war Gina Ebner aus Brüssel angereist. Sie berichtete von ihrer Lobbyarbeit und stellte Praxisbeispiele für lebenslanges Lernen vor. Von ihr erfuhren die Studierenden auch, dass sich Bildungsaktivitäten in Senioreneinrichtungen positiv auf den Gesundheitszustand der älteren Menschen auswirken.

Mit den portugiesischen Professoren Licínio C. Lima (Universidade do Minho) und Paula Guimarães (Universidade de Lisboa) erarbeiteten die Studierenden analytische Grundlagen, unter anderem anhand von Social-Policy-Modellen. An diesen Modellen untersuchten sie dann die Politik und Praxis von Erwachsenenbildung und Weiterbildung.

Professorin Vanna Boffo (Universität Florenz/Italien) gewährte Einblick in die Entwicklung der europäischen Bildungspolitik zum lebenslangen Lernen, Professor Balázs Németh (Universität Pécs/Ungarn) in die Aktivitäten der UNESCO im Rahmen des Global City Netzwerks, Lesley Doyle (Universität Glasgow/Schottland) in die Frage des Lernpotentials von „Transitions“. Martina Ni-Cheallaigh von der Europäischen Kommission erläuterte deren neue Strategien für lebenslanges Lernen und berichtete vom neuen Programm Erasmus plus.

Gefördert von der EU

Ermöglicht wurde die Winter School durch eine finanzielle Förderung im Erasmus-Intensiv-Programm der Europäischen Union. Nur so war es den meisten Studierenden möglich, die Kosten für Anreise und Unterkunft zu bestreiten. Den Förderantrag hatten sieben Universitäten aus Deutschland, Portugal, Schottland, Italien und Ungarn gemeinsam gestellt.

Erstmals nach zehn Jahren fand damit in Europa wieder ein Intensiv-Programm in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung statt, eingebettet in das internationale Lehrangebot der Würzburger Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Um eine außereuropäische Perspektive ergänzt wurde das Programm durch Chetan B. Singai vom National Institute of Advanced Studies in Bangalore. Er hält sich mit einem Stipendium des Programms „A new Passage to India“ in Würzburg auf und gab Einblick in die Strategien lebenslangen Lernens in Indien.

Kontakt

Prof. Dr. Regina Egetenmeyer, Institut für Pädagogik, T (0931) 31-83898, regina.egetenmeyer@uni-wuerzburg.de

Zur Homepage der Winter School