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02.04.2013

Neue Therapie für Speiseröhren

Funktionsstörungen der Speiseröhre können jetzt am Universitätsklinikum Würzburg mit einem rein endoskopischen Verfahren behoben werden. Bei der Einarbeitung in die neue Therapie konnten die Würzburger Chirurgen das Know-how eines japanischen Kollegen nutzen.

Besuch aus Japan in der Uniklinik (v.l.): Hitomi Minami, Burkhard H. A. von Rahden, Christoph-Thomas Germer, Hiroharu Inoue sowie Christian Reiners, Ärztlicher Direktor des UKW. (Foto: Universitätsklinikum Würzburg)

Besuch aus Japan in der Uniklinik (v.l.): Hitomi Minami, Burkhard H. A. von Rahden, Christoph-Thomas Germer, Hiroharu Inoue sowie Christian Reiners, Ärztlicher Direktor des UKW. (Foto: Universitätsklinikum Würzburg)

Achalasie: So lautet der Fachausdruck für eine Beweglichkeitsstörung der Muskulatur, die den Mageneingang öffnet und verschließt. Die Betroffenen leiden unter Brustschmerzen und Schluckstörungen; häufig dringt bei ihnen der Mageninhalt zurück bis in die Speise- oder sogar die Luftröhre.

Abhilfe kann eine Muskelspaltung von Speiseröhre und Magen bringen. Bislang wurde dieser Eingriff minimal-invasiv, also in einer Schlüsselloch-Operation, durchgeführt. Als Alternative dazu gibt es seit 2008 die sogenannte perorale endoskopische Myotomie, abgekürzt Poem. Dabei werden die fraglichen Muskeln während einer Speiseröhren- und Magenspiegelung gespalten – in einem rein endoskopischen Eingriff also

Pionier dieses Eingriffs ist Professor Hiroharu Inoue; er hat sie vor gut viereinhalb Jahren zum ersten Mal im japanischen Yokohama durchgeführt. Mittlerweile hat Inoue den Eingriff bei insgesamt 450 Patienten in Yokohama und weltweit wiederholt.

Wertvolle Erweiterung des Behandlungsspektrums

„Die Poem ist eine wertvolle Erweiterung des Behandlungsspektrums“, sagt Professor Christoph-Thomas Germer, der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie des Universitätsklinikum Würzburg. „Sie vermeidet eine Operation im Bauchraum sowie die dadurch hervorgerufenen Narben. Außerdem ist bei der Poem die Länge der Muskelspaltung frei wählbar, genauso, wie ihre genaue Lokalisierung – ob nun in Vorderwand, Hinterwand oder den Seitenbereichen der Speiseröhre.“

Überzeugende Ergebnisse

Auch in ihren Ergebnissen sei die Poem sehr überzeugend. „Bei praktisch allen behandelten Patienten wurde die Schluckfunktion wiederhergestellt. Auch hinsichtlich der Aufhebung des Symptoms Brustschmerzen hat sich die neue Methode der bisherigen operativen Therapie als überlegen gezeigt – und das bei vergleichbar geringer Komplikationsrate“, sagt Germer.

Schulung in Japan und Würzburg

Um künftig auch den Achalasie-Betroffenen im Einzugsgebiet des Würzburger Uniklinikums die vielversprechende Therapie anbieten zu können, hat die Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie Hiroharu Inoue Mitte März dieses Jahres für Schulungszwecke ins Zentrum für operative Medizin (ZOM) in Würzburg eingeladen. Im Beisein des japanischen Experten wurden innerhalb von zwei Tagen fünf Achalasie-Patienten behandelt - die ersten Würzburger Poem-Fälle. Zuvor hatte ein Chirurg des UKW die Methode bereits im Rahmen eines Gastaufenthalts in Yokohama erlernt.

Jetzt auch am Uniklinikum Würzburg im Therapieangebot

Wie Germer sagt, geht es den fünf Patienten der „Würzburger Premiere“ sehr gut. Der Kostaufbau würde gut vertragen, und schon wenige Tage nach dem Eingriff berichteten alle über eine sehr gute Schluckfunktion. Die neue Methode steht damit auch in Würzburg zur Verfügung.