Das Online-Magazin der Universität Würzburg

07.07.2015

Stadtgärtner lassen Würzburg ergrünen

"Urban Gardening" heißt der Trend, der es jedermann ermöglicht, in der Stadt zu gärtnern. In Würzburg nennt sich die bunt gemischte Gruppe, die Schaufel und Gießkanne schwingt, "Stadtgärtner" - auch Uni-Mitarbeiter sind dabei.

"Urban Gardening" heißt der Trend, der es jedermann ermöglicht, in der Stadt zu gärtnern. In Würzburg nennt sich die bunt gemischte Gruppe, die Schaufel und Gießkanne schwingt, "Stadtgärtner" – auch Uni-Mitarbeiterin Ute Medicus ist dabei.

"Urban Gardening" heißt der Trend, der es jedermann ermöglicht, in der Stadt zu gärtnern. In Würzburg nennt sich die bunt gemischte Gruppe, die Schaufel und Gießkanne schwingt, "Stadtgärtner" – auch Uni-Mitarbeiterin Ute Medicus ist dabei. (Foto: Patricia Schätzler)

Am Würzburger Nigglweg beim Nautiland-Schwimmbad stehen seit Ende Mai einige Hochbeete. Gegen die historischen Festungsmauern heben sich die bunt wuchernden Pflanzen besonders ab. Wenn man näher tritt, werden die verschiedenen Pflanzen und die Beschriftung erkennbar. Sie gibt darüber Auskunft, welche Gewächse sich hier ein Beet teilen. Dabei ist keine strenge Ordnung erkennbar; der Mais steht neben den Sonnenblumen und der Roten Beete.

Gemüseanbau mitten in der Stadt

Regelmäßig treffen sich hier die "Stadtgärtner Würzburg". Urban Gardening heißt die Bewegung, die in den Städten Deutschlands in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Die Idee beim "urbanen Gartenbau": städtische Flächen nachhaltig bewirtschaften und so Nutzflächen für die Einwohner schaffen.

In jeder Stadt stehen nur eine begrenzte Auswahl an Flächen zur Verfügung, die sich fürs Urban Gardening eignen. Nicht jedes freie Areal bietet sich als Nutzfläche an, sonnige und windgeschützte Plätze eignen sich besonders. Jeder, der sich für den urbanen Gartenbau interessiert, muss zunächst herausfinden, wem das Gelände gehört. Im Falle des Nigglwegs ist die Stadt Würzburg Eigentümer. "Wir haben daher einen Verein gegründet, um diese Fläche nutzen zu können", sagt Conny, eine der aktivsten Stadtgärtnerinnen.

Gärtnern für jeden

Wer glaubt, die Gruppe setzt sich nur aus Gärtnern oder Menschen aus ähnlichen Berufsgruppen zusammen, der irrt. Die Interessen und Berufe, die hier aufeinander treffen, sind genauso bunt gemischt wie die Pflanzen in den Hochbeeten - von der Hausfrau über den Rechtspfleger bis hin zur Ärztin. Ebenso verschieden ist auch deren Wissensstand über das Gärtnern und die Motivation, die sie zu den Stadtgärtnern gebracht hat.

Elektroingenieur Alex beispielsweise hat vom Gärtnern keine Ahnung. "In meiner Kindheit habe ich es verpasst, meiner Oma im Garten zu helfen. Jetzt lerne ich hier viel über das Gärtnern, ohne mich vor dicke Bücher setzen zu müssen", sagt er. Er hat einen Akkuschrauber in der Hand - denn auch handwerkliche Arbeiten sind bei den Stadtgärtnern immer wieder gefragt.

Ausgleich zum Bürojob

Auch Informatikerin Barbara freut sich über die Möglichkeit, in der Stadt zu Gärtnern. "Man hat auf diese Weise einen Garten, muss aber auch nicht alles alleine machen", erklärt sie ihre Motivation, während das Wasser aus dem Gartenschlauch auf die Pflanzen prasselt. "Die frische Luft und die Bewegung dienen als Ausgleich, wenn man den ganzen Tag am Computer sitzt."

Die zentrale Lage macht es für die Mitglieder einfach, an Aktionen teilzunehmen oder das regelmäßige Gießen zu übernehmen. Gerade der Wasseranschluss ist auf städtischen Nutzungsflächen häufig ein Problem. Am Nigglweg wird dieses Problem mit Hilfe des Nautilands gelöst. Ein dicker gelber Schlauch, verbunden mit einem Schlüssel für den Wasseranschluss, stellt sicher, dass die Pflanzen gewässert werden können.

Auch Conny hat einen Bürojob. Sie hat selbst einen Garten, bringt aber ihr Wissen mit zu den Stadtgärtnern. "Es ist schön, auf diese Weise jedem die Möglichkeit zu geben, etwas selbst anzubauen. Alles Selbstgeerntete, ob Gemüse oder Kräuter, wertet das Essen ungemein auf", sagt sie.

Dieser bewusste Konsum der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist ein weiteres Ziel der Vorstadtgärtner. Die Wahl der Pflanzen fällt neben Nutzpflanzen ausschließlich auf Blumen, die Nektar- oder Pollenreich sind. Außerdem werden nur samenfeste Sorten verpflanzt. Sie bringen zwar im Gegensatz zu häufig verkauften Hybridsamen weniger Ertrag, liefern aber durchs Aussamen wiederum neue Samen.

Fachfrau vom Botanischen Garten ist auch dabei

Als Einzige mit einem beruflichen Bezug zu den Pflanzen unterstützt auch Ute Medicus die Stadtgärtner. Die Biologin arbeitet beim Botanischen Garten der Julius-Maximilians-Universität und betreut dort den Lehr-Lern-Garten."Da ich nicht aus Würzburg komme, ist das eine gute Art, Anschluss zu finden", sagt sie und ergänzt: "Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, das bereichert die Projekte."

So unterschiedlich wie die Menschen sind auch die Orte, an denen gegärtnert wird, und welche Herausforderungen diese mit sich bringen. Da kann es auch mal sein, dass ein Fußball vom Fußballplatz oberhalb des Nautilands mitten in eines der Hochbeete fliegt. Das Risiko, dass andere Menschen und auch Tiere die Gartenarbeiten beeinträchtigen, besteht an jedem öffentlichen Platz.

Zuwachs immer erwünscht

Der offene Zugang zu den Beeten hat jedoch auch seine guten Seiten. Da sie für viele Menschen eine Bereicherung sein sollen, sind Neulinge bei den Stadtgärtnern stets willkommen.

Schilder an den Beeten am Nigglweg verweisen auf die Internetseite der Gruppe, die über vergangene und zukünftige Aktionen informiert. Interessierte Passanten können sich direkt melden. Immerhin fallen die ungewöhnlichen Beete besonders Spaziergängern auf, die sich neugierig den Beeten nähern und sich fragen, was es wohl mit diesen auf sich hat.

Kontakt:

Mehr Informationen zu den Stadtgärtnern gibt es hier.

Zu tun gibt es immer genug: ob es sich um größere Anbau- und Umbauaktionen handelt oder das regelmäßige Gießen der Pflanzen. Die Stadtgärtner treffen sich alle 14 Tage donnerstags um 19 Uhr im Jugendkulturhaus Cairo.

Von: Patricia Schätzler