1. Februar 2011

Das Energy Efficiency Center. (Bild: Lang Hugger Rampp GmbH)
Das Energy Efficiency Center. (Bild: Lang Hugger Rampp GmbH)
Das Energy Efficiency Center aus der Luft. (Bild: Lang Hugger Rampp GmbH)
Das Energy Efficiency Center aus der Luft. (Bild: Lang Hugger Rampp GmbH)

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Startschuss für das „Energy Efficiency Center“

Innovative Materialien, neueste Technik und eine außergewöhnliche Architektur: Auf dem Campus-Gelände Hubland-Nord wird in den kommenden Jahren ein spektakulärer Neubau entstehen. Das Haus dient dem Zentrum für Angewandte Energieforschung als Forschungs- und Demonstrationsgebäude.

Im Winter läuft die Heizung, im Sommer die Klimaanlage. Dazu Strom für Licht, Kühlschrank und Waschmaschine. Und natürlich warmes Wasser zum Duschen oder Baden: Rund 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs geht auf das Konto von Häusern und Wohnungen. Die Energie, die in Heizung und Warmwasser fließt, macht bei privaten Haushalten rund 85 Prozent des gesamten Energiebedarfs aus.

Schwerpunkt Wärmedämmung

Weil viele Gebäude alt, schlecht gedämmt und technisch längst nicht mehr auf dem neuesten Stand sind, ließe sich in diesem Bereich viel Energie einsparen. Wie das geht, daran arbeiten die Forscher und Entwickler des Bayerischen Zentrums für Angewandte Energieforschung (ZAE Bayern) an seinen drei Standorten in Erlangen, Garching und Würzburg. „Unser Schwerpunkt liegt vor allem auf der Entwicklung und Optimierung von Materialien und hocheffizienten Systemen zur Wärmedämmung“, erklärt Dr. Hans-Peter Ebert, Leiter der Würzburger ZAE-Abteilung.

Dabei beschränkt sich die Arbeit der Energieexperten nicht auf die Arbeit im Labor. Ihre Entwicklungen testen sich gleich in der Realität: Überall in der Fassade des schon jetzt bestehenden ZAE-Gebäudes auf dem Hubland-Campus sind beispielsweise unterschiedlichste Isolierpaneele eingearbeitet, die dort quasi im Echtbetrieb erprobt werden können. Fenster mit einer Vakuumisolierung übertreffen in der Wärmedämmung jede moderne Dreifach-Verglasung deutlich – und das bei einem sehr viel geringeren Platzbedarf. Mit der Hilfe von Regenwasser entziehen die Energieforscher über einen Wärmetauscher dem Haus die Hitze.

Der Neubau

Und weil dieser Forschungsbereich boomt, bekommt das Würzburger ZAE nun einen Neubau, in dem noch mehr modernste Energiespartechnik zum Einsatz kommen wird. Das „Energy Efficiency Center“ kombiniert unterschiedlichste energieeffiziente Gebäudetechniken in einem auch architektonisch herausragenden Forschungsgebäude.

„Dieser Neubau wird unsere Visitenkarte“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des ZAE Bayern, Professor Vladimir Dyakonov, die Vision des Energy Efficiency Center. Dyakonov ist zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Physik VI an der Universität Würzburg. Seine Spezialgebiete sind die organische Photovoltaik und Elektronik.

1200 Quadratmeter Fläche für Labore und Technik wird das neue Gebäude bieten, das bis 2013 auf dem Campusgelände Hubland-Nord entstehen soll. „Wir werden dort gemeinsam mit den Industriepartnern die eingebaute Technik und neue innovative Ansätze im Detail testen und bewerten“, sagt Dyakonov. Für die Wissenschaftler und Techniker bietet das Haus die Chance, Erfahrungswerte und langfristige Messdaten der zum Großteil von ihnen selbst entwickelten technischen Lösungen zu sammeln. Sie erhalten damit „die einmalige Chance“, wissenschaftlich fundierte Aussagen zu der Energieeffizienz der einzelnen Lösungen machen zu können.

Die Planer und Entwickler

Der Entwurf des Gebäudes stammt von den Architekten der Lang Hugger Rampp GmbH. Um die Technik haben sich neben den ZAE-Experten Berater und Planer für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen der Ebert-Ingenieure GmbH & Co. KG gekümmert. An der Konzeption und Ausführung beteiligt sind außerdem Tragwerksplaner und Projektsteuerer der SSF Ingenieure AG. Von der „Quadratur des Kreises“ spricht Architekt Thomas Rampp im Zusammenhang mit dem Neubau. „Der Pilotcharakter dieses Gebäudes hat von allen Beteiligten ein Umdenken erfordert“, so Rampp. Gleichzeitig böten neue technische Lösungen die Chance, „ungeahnte architektonische Spannungsbögen im Design zu schaffen.“ So verleihe das gespannte Membrandach des Energy Efficiency Center dem ganzen Gebäude „eine gewissen Leichtigkeit“ und strahle gleichzeitig eine Dynamik aus. „Eigentlich genau richtig für ein Gebäude, dessen Nutzer von ihren Ideen leben“, so Rampp.

„Für uns als Ingenieurbüro besteht die Herausforderung in diesem Projekt auch darin, diese Vielfalt an innovativen und neu entwickelten technischen Einzellösungen ökonomisch und ökologisch optimiert so zu verknüpfen und in das technische Gesamtkonzept zu integrieren, dass eine klar strukturierte, einfach nachvollziehbare und energetisch optimierte Lösung entsteht“, umreißt Thilo Ebert, der Verantwortliche für das technische Ausrüstungskonzept und die Energie- und Klimadesignplanung die Aufgabenstellung. Spannend sei es auch, Produktentwicklungen aus gemeinsamen Forschungsvorhaben wie beispielsweise die Membrantechnologie jetzt selbst in realen Planungsvorhaben einzusetzen.

Finanziert wird das neue Gebäude vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Technologie. Die Wirtschaft unterstützt mit Sponsorleistungen einen weiteren Teil des Projektvolumens.

Das Zentrum für Angewandte Energieforschung

Das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V. (ZAE Bayern) betreibt an den Standorten Würzburg, Erlangen und Garching seit 1991 Energieforschung. Die jeweiligen Aufgaben sind dabei klar voneinander getrennt: Während in Würzburg Funktionsmaterialien der Energietechnik im Zentrum stehen, kümmern sich die Mitarbeiter in Garching um Technik für Energiesysteme und erneuerbare Energien; Thermosensorik und Photovoltaik ist Schwerpunkt in Erlangen.

Link: www.energy-efficiency-center.de

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