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    Sommerschule zu afrikanischer Literatur

    09/12/2017

    Die Spuren des Kolonialismus sind noch heute gut sichtbar – auch in der Literatur afrikanischer Schriftsteller, die im Exil leben. Mit ihr beschäftigt sich eine Sommerschule an der Universität Würzburg.

    Logo der Sommerschule

    Welches Bild von Afrika zeichnen afrikanische Exil-Literaten in der zeitgenössischen Literatur? In welcher Form werden der Westen und das Leben als People of African Heritage in Europa und in den USA dargestellt? Und welche Rolle spielt die Auseinandersetzung mit der Kolonialvergangenheit?

    Öffentliche Lesungen

    Mit diesen und weiteren Fragen setzt sich eine interdisziplinäre Sommerschule auseinander, die vom 18. bis 22. September an der JMU Würzburg stattfindet. Teil des Programms sind öffentliche Lesungen mit der Sharon Otoo und dem kongolesischen Bestseller-Autor Alain Mabanckou.

    Sharon Otoo, britische Schriftstellerin und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin des Jahres 2016, liest am Montag, 18. September, ab 20 Uhr im Buchladen Neuer Weg. Der kongolesische Autor und Träger des Prix-Renaudot 2006, Alain Mabanckou, tritt am Mittwoch, 20. September, auf das Podium. Gemeinsam mit Dominic Thomas, Professor für Frankophone Studien der University of California Los Angeles und CNN-Europa-Korrespondent, wird Mabanckou ab 20 Uhr eine kommentierte Lesung in Hörsaal 2 des Zentralen Hörsaalgebäudes (Z6) am Hubland präsentieren.

    Die Sommerschule

    „Eigenheit und Fremdheit. Literaturen der afrikanischen Diaspora im Spannungsfeld von Migration, Identität und kolonialen Stereotypen“: So lautet der Titel der Sommerschule. 15 ausgewählte Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen aus Deutschland, Österreich, England, den Niederlanden, Südafrika, Kanada, und den USA werden sich eine Woche lang mit den Theorien der sogenannten Postcolonial Studies befassen.

    Den Master-Studierenden und Doktoranden wird in Würzburg die Möglichkeit geboten, ihre jeweiligen Forschungsprojekte vorzustellen und sich mit fünf renommierten Experten auf dem Gebiet der afrikanischen Literaturen und Kulturen auszutauschen. „Unsere koloniale Vergangenheit wurde in Europa bislang nur wenig aufgearbeitet. Dabei hat der zum Teil sehr gewaltsame Eingriff unserer Vorfahren in die Lebenswelt der Menschen in Asien, Amerika und vor allem Afrika große Spuren hinterlassen“, sagt Julien Bobineau vom Lehrstuhl für Spanische und Französische Literaturwissenschaft, der die Sommerschule gemeinsam mit drei Kollegen aus der Romanistik und Anglistik organisiert.

    Nachwirkungen der Kolonialzeit sichtbar machen

    Der Literaturwissenschaftler führt weiter aus, dass sich die Postcolonial Studies mit eben jenen Nachwirkungen auseinandersetzen: „Die Postcolonial Studies versuchen, die koloniale Nachwirkungen sichtbar zu machen und den ehemals unterdrückten Menschengruppen eine Stimme zu geben. Denn obwohl die Kolonialzeit zumindest formell als überwunden gilt, gibt es heute noch sehr viele Abhängigkeitsverhältnisse zu Ungunsten Afrikas“, so Bobineau.

    Eine „Stimmergreifung“ funktioniere dabei auf politischer und diplomatischer Ebene, aber insbesondere auch in der kulturellen Produktion wie in Musik, Kunst, Film oder eben Literatur. Die Autoren der afrikanischen Diaspora – das heißt, diejenigen Nachfahren von Afrikanern, die außerhalb Afrikas leben und sich als People of African Heritage bezeichnen – sind dabei ein wichtiger Teil dieser „Stimmergreifung“. International bekannte Schriftsteller wie Chinua Achebe (Nigeria/USA), Sylvain Bemba (Kongo/Frankreich) oder Chimamanda Adichie (Nigeria/USA) setzen sich in ihren literarischen Texten mit der eigenen Geschichte, den fremden Kolonialmächten und den Auswirkungen auf die eigene Identität auseinander.

    Kolonialzeit zeigt heute noch Spuren

    „Es ist unverzichtbar, den Menschen aus den ehemaligen Kolonien zuzuhören. Ihre Äußerungen und Empfindungen zu ignorieren und sich gar darüber hinwegzusetzen, kommt dem grausamen Verhalten der Europäer während der Kolonialzeit sehr nahe“, meint Bobineau. Auch in Deutschland rücke der Umgang mit der eigenen Kolonialvergangenheit immer wieder in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten, wie beispielsweise bei den Entschädigungsforderungen der Herero und Nama in der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia, der Umbenennung der sogenannten „Mohrenstraße“ in Berlin oder in Bezug auf die kolonialrassistische Praktik des Blackfacing, die ein Karnevalsverein aus Osthessen seit seiner Gründung im Jahre 1938 durchführt.

    Die Teilnehmer der Sommerschule fokussieren sich dabei auf die Sicht der Diaspora-Autoren und hinterfragen, welche Afrika-, Europa- und USA-Bilder in der Literatur vermittelt werden. Auch die Autorenlesungen, die innerhalb des Rahmenprogramms stattfinden, sollen zur Diskussion über die Thematik anregen. Organisiert wird die Veranstaltung von Doktoranden aus der Romanistik und der Anglistik. Der Deutsche Romanistenverband (DRV) und der Universitätsbund Würzburg fördern die Sommerschule und das Begleitprogramm.

    Links

    Website der Sommerschule

    Website des Deutschen Romanistenverbands

    Kontakt

    Julius Goldmann, Lehrstuhl für Spanische und Französische Literaturwissenschaft, T: (0931) 31-83828, E-Mail: julius.goldmann@uni-wuerzburg.de

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