Sonderausgabe zum Stiftungsfest

der Universität Würzburg am 11. Mai 2011

Die Verdienstmedaille "Bene Merenti" der Uni Würzburg in Gold. Foto: Robert Emmerich
Die Verdienstmedaille "Bene Merenti" der Uni Würzburg in Gold. Foto: Robert Emmerich

<<zurück

Bene-Merenti-Medaillen

Für ihre außergewöhnlichen Leistungen haben drei Professoren und eine Professorin der Universität beim Stiftungsfest 2011 die Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold erhalten. Geehrt wurden Andreas Möckel (Sonderpädagogik), Karlheinz Müller (Theologie), Karin Ulrichs (Medizin) und Klaus Wilms (Medizin).

Andreas Möckel

Karlheinz Müller

Karin Ulrichs

Klaus Wilms

Professor Andreas Möckel (rechts) bekam die Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold der Uni Würzburg. Links Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch
Professor Andreas Möckel (rechts) bekam die Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold der Uni Würzburg. Links Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch

Professor Andreas Möckel

Andreas Möckel wurde 1927 in Siebenbürgen geboren. Nach der Entlassung aus sowjetischer Zwangsarbeit 1947 machte er eine Ausbildung als Volksschullehrer. Nach zwei Jahren Schuldienst studierte er in Tübingen, Berlin und München Pädagogik und Philosophie. Im Anschluss an seine Promotion 1959 war Möckel zunächst Assistent am Seminar zur Ausbildung von Hilfsschullehrern in Stuttgart/Tübingen, ab 1963 dann Professor an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen, wo er 1967 Direktor des Instituts für Sonderpädagogik wurde.

1976 wurde Möckel auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Lernbehinderten-Pädagogik der Universität Würzburg berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 1992 innehatte.

Pionierleistungen in Würzburg

Als Erstinhaber dieses Lehrstuhls hatte Möckel Pionierleistungen zu erbringen: Er musste ein Fach im universitären Lehr- und Ausbildungskanon etablieren und profilieren, für das es damals in Deutschland noch keine universitäre Tradition gab. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die Sonderpädagogik in Würzburg neben der Lehramtsausbildung verankert wurde.

Maßgeblich wirkte Möckel in den 1980er-Jahren am Ausbau der Sonderpädagogik mit, so dass Würzburg heute ein breites Spektrum an sonderpädagogischen Studiengängen und Lehrangeboten bieten kann. „Er hat damit den Grundstein gelegt für ein Alleinstellungsmerkmal der Universität Würzburg im nordbayerischen Raum, die hier der einzige Standort für die Ausbildung von Sonderpädagogen im Lehramtsbereich wie in akademischen Studiengängen ist“, so Universitätspräsident Alfred Forchel in seiner Laudatio.

Sonderpädagogik bundesweit bekannt gemacht

Der Würzburger Sonderpädagogik hat Andreas Möckel eine bundesweite Sichtbarkeit und Außenwirkung verschafft. Dazu haben seine Publikationen über grundlegende Fragen zur Bildung von behinderten Kindern und Jugendlichen ebenso beigetragen wie seine rege Vortragstätigkeit und Mitarbeit in fach- und bildungspolitischen Gremien. Bis heute gelte Möckel als der prominenteste Historiker der Sonderpädagogik im deutschsprachigen Raum, so Forchel.

Möckel ist und war Mitglied in zahlreichen Kommissionen und Vereinigungen, die er teilweise auch selbst mitbegründet hat. Unter anderem in der Kommission „Sonderpädagogik“ des Deutschen Bildungsrates, aber auch im Wissenschaftlichen Beirat der Akademie für Schullandheimpädagogik sowie – als Mitbegründer – in der „Heilpädagogischen Vereinigung“.

Daneben hat Möckel vor einigen Jahren an der Universität Würzburg ein interdisziplinäres Fortbildungsprogramm für Lehrkräfte zur Förderung lese-rechtschreibschwacher Schüler etabliert, bei dessen Ausgestaltung er bis heute mitwirkt.

<<zurück

Theologieprofessor Karlheinz Müller (rechts) erhielt die Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold von Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch
Theologieprofessor Karlheinz Müller (rechts) erhielt die Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold von Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch

Professor Karlheinz Müller

Karlheinz Müller, Jahrgang 1936, studierte Theologie an den Universitäten Bamberg, Würzburg und Heidelberg. In Würzburg promovierte er 1967 im Fach “Neues Testament“. Nach einer fünfjährigen Assistenzzeit habilitierte er sich 1972 an der Universität Graz, denn in der Bundesrepublik gab es damals diese Möglichkeit für katholische Laien noch nicht.

1972 wurde Karlheinz Müller auf den Lehrstuhl für Biblische Einleitung und Biblische Hilfswissenschaften der Würzburger Katholisch-Theologischen Fakultät berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 2004 innehatte. Zusätzlich zu seiner Lehr- und Forschungstätigkeit promovierte Müller 1982 ein zweites Mal, diesmal im Fach Judaistik in Köln.

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit von Karlheinz Müller sind die frühjüdische Apokalyptik – auf diesem Gebiet gilt Müller als einer der profiliertesten Kenner –, die Erforschung des Werdegangs der frühjüdischen Halacha und die Geschichte des Urchristentums. „Hervorzuheben ist seine Zusammenarbeit mit israelischen Mediävisten im Rahmen mehrerer Projekte der German-Israeli Foundation“, so Universitätspräsident Alfred Forchel in der Laudatio.

Judensteine aus der Pleich

An der Uni Würzburg war Müller verantwortlich für die wissenschaftliche Edition der so genannten „Judensteine aus der Pleich“. Dabei handelt es sich um den mit mehr als 1500 Stücken weltweit größten Fund an Grabsteinen und Grabsteinfragmenten aus einem mittelalterlichen jüdischen Friedhof. Entdeckt wurden die Steine in der Pleich, einem Gebiet der Würzburger Altstadt. Die Erforschung des Fundes ergab teils sensationelle Ergebnisse über das mittelalterliche Judentum in Würzburg und in Europa.

Ökumene und interreligiöser Dialog

Ein weiterer Schwerpunkt von Müllers Wirken gilt dem ökumenischen und interreligiösen Dialog. So war er bis 2004 Mitglied der „Arbeitsgruppe für Fragen des Judentums“ bei der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, außerdem langjähriger katholischer Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken.

Seit 2006 ist Müller wissenschaftlicher Leiter des damals neu eröffneten Museums im Gemeinde- und Kulturzentrum „Shalom Europa“ der Jüdischen Gemeinde in Würzburg. Für seine Verdienste wurde er 2006 mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

<<zurück

Professorin Karin Ulrichs (Medizin) wurde mit der Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold ausgezeichnet. Mit im Bild Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch
Professorin Karin Ulrichs (Medizin) wurde mit der Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold ausgezeichnet. Mit im Bild  Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch

Professorin Karin Ulrichs

Karin Ulrichs studierte von 1966 bis 1971 Biologie und Chemie an der Universität Göttingen. Danach verbrachte sie ein Sabbatical in Irland, bevor sie sich wieder ganz der Wissenschaft widmete. 1977 promovierte sie dann am Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Kiel, 1990 habilitierte sie sich am dortigen Institut für Immunologie.

Vier Jahre später übernahm Karin Ulrichs eine C3-Professur für Experimentelle Transplantations-Immunologie an der Chirurgischen Klinik I des Universitätsklinikums hier in Würzburg. Seit 2010 ist sie im Ruhestand. Sie gehörte dem Fachbereichsrat der Medizinischen Fakultät an, außerdem dem Vorstand des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung.

Frauenförderung als Anliegen

Ulrichs engagiert sich seit Jahren besonders auch für die Frauenförderung, unter anderem war sie Frauenbeauftragte der Medizinischen Fakultät. „Ihr war es immer ein großes Anliegen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Chancengleichheit für Akademikerinnen in allen Lebenslagen und insbesondere bei Berufungsverfahren zu erreichen“, so der Unipräsident.

Zusätzliche Aufgaben übernommen

Mit dieser Zielsetzung seien vielfältige zusätzlichen Aufgaben verbunden, denen Karin Ulrichs seit Jahren mit außergewöhnlichem Engagement nachkomme – sei es bei Stellungnahmen zu Berufungsvorschlägen, in den regelmäßigen Fakultätsratssitzungen und Klinikumskonferenzen, durch die Teilnahme an den Mentoring-Programmen der Universität oder die Mitarbeit in der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten.

Forchel: „Bei allem stand für Karin Ulrichs die wissenschaftliche Qualität der Bewerberinnen im Vordergrund. War eine Bewerberin auf Augenhöhe mit ihren männlichen Bewerbern, dann hatte sie in ihr eine bedingungslose Fürsprecherin. Doch auch für die Belange der männlichen Jungakademiker hat sich Frau Professor Ulrichs stets eingesetzt. Deshalb hat sie immer die eine Öffnung des Mentoring-Med-Programms auch für männliche Akademiker befürwortet.“

<<zurück

Medizin-Professor Klaus Wilms (rechts) erhält die Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold von Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch
Medizin-Professor Klaus Wilms (rechts) erhält die  Verdienstmedaille „Bene Merenti“ in Gold von Universitätspräsident Alfred Forchel. Foto: Gunnar Bartsch

Professor Klaus Wilms

Klaus Wilms wurde 1939 in Kiel geboren und studierte in seiner Heimatstadt und in München Medizin. Nach seiner Promotion war er in Krankenhäusern in Waiblingen, Heidenheim und Wiesbaden sowie an der Medizinischen Universitätsklinik in Tübingen tätig.

Von 1965 bis 1967 arbeitete er als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Institut für Biochemie der Universität Köln, anschließend bis 1963 an der Medizinischen Universitätsklinik in Tübingen. Dort habilitierte er sich und wurde zum Oberarzt ernannt.

1975 absolvierte Wilms einen Forschungsaufenthalt an der Division of Oncology der Universität von Washington in Seattle, einer weltweit anerkannten, exzellenten Forschungseinrichtung für Knochenmark-Transplantation. Nach seiner Rückkehr wurde Wilms 1978 in Tübingen außerplanmäßiger Professor, ab 1980 war er an der dortigen Medizinischen Universitätsklinik als Leitender Oberarzt tätig. 1982 wechselte er an die Universität Würzburg, wo er bis 2004 die Medizinische Poliklinik leitete.

Gastprofessuren in Estland und Tansania

Nach seiner Emeritierung übernahm Wilms 2005 zunächst eine Gastprofessur an der Universität Tartu (Dorpat) in Estland. In den beiden folgenden Jahren war er mehrfach Gastprofessor am Bugando University College of Health Sciences der St. Augustine Universität in Würzburgs Partnerstadt Mwanza in Tansania. Er unterrichtete dort die ersten Jahrgänge von Medizinstudierenden im Fach Innere Medizin.

Gründungsdirektor des Krebszentrums

2008 war Wilms Gründungsdirektor des Comprehensive Cancer Center Mainfranken, einem integrierten Behandlungs- und Forschungszentrum für Krebserkrankungen, das vom Universitätsklinikum und der Medizinischen Fakultät in einer Exzellenz-Initiative der Deutschen Krebshilfe in Kooperation mit den akademischen Lehrkrankenhäusern eingerichtet wurde.

Aktivitäten und Auszeichnungen

Wilms war zwei Jahre lang Dekan der Medizinischen Fakultät und sechs Jahre lang Mitglied des Wissenschaftsrates. Außerdem wirkte er von 1991 bis 1994 bei der Einrichtung der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden in der Gründungskommission mit. 2005 wurde Klaus Wilms mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Ein Jahr vorher bereits war ihm der Albert-Kölliker-Lehrpreis der Medizinischen Fakultät verliehen worden.

<<zurück

Impressum

Herausgeber
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Sanderring 2
97070 Würzburg

Redaktion
Gunnar Bartsch
Robert Emmerich
Georg Kaiser
Liane Popp-Orth

Kontakt
T (0931) 31-86002, 31-82750, 31-82172
presse@uni-wuerzburg.de

Hinweis
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir in unseren Texten bei Berufs- und Personenbezeichnungen nur eine geschlechtsspezifische Form, die gleichermaßen für die weibliche und männliche Schreibweise steht.