Das Online-Magazin der Universität Würzburg Ausgabe 21. Mai 2013

Uni-Museum 180 Jahre alt

Gestern hat das Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg seinen 180. Geburtstag gefeiert. Zur Welt kam es am 25. Juni 1832; getauft wurde es damals auf den Namen „Ästhetisches Attribut“. Lesen Sie hier einen Rückblick auf die Geschichte des Museums.

Das Martin-von-Wagner-Museum der Universität befindet sich heute im Südflügel der Würzburger Residenz. Foto: Elmar Hahn

Das Martin-von-Wagner-Museum der Universität befindet sich heute im Südflügel der Würzburger Residenz. Foto: Elmar Hahn

Martin Wagner, seinerzeit Lehrer der Zeichenkunst an der Universität Würzburg, hatte schon im Jahr 1809 die Gründung eines Universitätsmuseums angeregt. Realisiert wurde seine Idee aber erst am 25. Juni 1832: An diesem Tag hob die Königliche Julius-Maximilians-Universität feierlich ihr neues Kind aus der Taufe, das so genannte Ästhetische Attribut. Auf den Weg gebracht hatte es Friedrich August Freiherr von Zu Rhein, später Regierungspräsident von Unterfranken.

Die Fächer Kunstgeschichte und Archäologie gab es 1832 noch nicht. Die neu anzulegende Antiken-, Gemälde- und Kupferstichsammlung sollte Studierenden und Lehrenden aller Fächer zu Gute kommen, weil mit ihr „… Humanität, die Seele alles Wissens, geweckt, eine höhere Auffassung der Geschichte und dem Eindringen des gemeinen Sinnes ein mächtiger Damm entgegengesetzt werden soll“.

Auf Befehl des Königs öffentlich zugänglich

Das Museum wuchs sehr schnell, vor allem unter der Leitung seines langjährigen (1834-1855) Direktors Franz Joseph Fröhlich, Professor für Philosophie und Ästhetik sowie Gründer der Musikhochschule. Neben Abgüssen antiker Kunst wurden vor allem Gemälde, Zeichnungen und Kupferstiche erworben, ergänzt durch Schenkungen von privater Seite. Die Sammlungen befanden sich in der Alten Universität und waren auf Befehl König Ludwigs I. ab 1837 der Öffentlichkeit zugänglich.

Umfangreicher Katalog schon 1840

Ein erster Katalog aus dem Jahr 1840 verzeichnet schon 243 Gemälde und über 1000 Zeichnungen und Kupferstiche. Dazu gehörten allein 28 Gemälde aus der 1834 erfolgten Auktion der großen Sammlung David Hartmanns, einem Enkel Balthasar Neumann; dann 69 Gemälde aus der 1836 erworbenen Sammlung des früheren Paters Benedikt Weber aus Kloster Tückelhausen, von denen noch 29 identifizierbar sind.

Zwei Historiengemälde von Tiepolo gehören dazu, auch Gysbrechts Vanitasstilleben oder das berühmte venezianische Doppelporträt vor einem Spiegel (1530), das zuletzt im Prado ausgestellt war. Dieses Gemälde hob auch der renommierte Direktor der Berliner Galerie, Gustav Waagen, bei einem Besuch 1842 ganz besonders hervor.

Zwei große Schenkungen um 1860

Martin von Wagner, der ein Jahr vor seinem Tod 1858 der Universität seine große Kunstsammlung und sein Vermögen stiftete, hatte sich erst nach gründlichen Recherchen über den Zustand des jungen Museums zu diesem Schritt entschlossen. Was Fröhlich wegen des geringen Jahresetats von 500 Gulden nicht fürs Museum erwerben konnte, erstand er privat. Auch er schenkte 1862 seine große Sammlung dem Museum, was dessen Bestand etwa verdoppelte. Ein Großteil der Gemälde, darunter die wichtigen, sind Fröhlichs Sammeleifer zu verdanken.

Vasen für die Antikenabteilung

Nach Fröhlich bestimmten hundert Jahre lang Archäologen die Geschicke des Museums. Sie begründeten mit dem Kauf der Vasensammlung Feoli den internationalen Ruhm der Antikensammlung.

Ausstellung „Stillleben“ ab 5. Juli

In den vergangenen 20 Jahren haben Schenkungen und Nachlässe von lokalen und externen Künstlern vor allem die Neuere Abteilung des Museums enorm bereichert, fast verdoppelt. Die kommende, von Studierenden der Kunstgeschichte konzipierte und erarbeite Ausstellung „Stillleben“ (ab 5.Juli) schöpft aus diesem großen Fundus, der von Fröhlich gelegt wurde.

Zur Homepage der Stillleben-Ausstellung

Auteur : Tilman Kossatz / Stefan Kummer