
Gender-Woche bot spannende Einblicke
Die unterschiedlichen Rollenbilder von Männern und Frauen standen bei der Internationalen Gender-Woche der Universität im Mittelpunkt. Fazit: „Bei diesem Thema gibt es besonders viel zu entdecken, wenn man in andere Länder schaut. In der Diskussion darüber ändert sich die eigene Perspektive deutlich“, so Alumni-Beauftragte Michaela Thiel, die die Woche organisiert hat.
Finnland, USA, Ungarn, Kongo: Aus diesen und anderen Ländern waren 19 Alumni der Universität zur Gender-Woche gekommen, um ihre landesspezifischen Sichtweisen einzubringen. Das war für alle Teilnehmer der Vorträge, Workshops und Diskussionen sehr spannend. So erfuhren sie beispielsweise von einer Besonderheit im wirtschaftlich boomenden Singapur: Arbeitskräfte sind dort so stark gesucht, dass sich die Frage nach der Benachteiligung des einen oder anderen Geschlechts in der Arbeitswelt nicht in dem Ausmaß stellt wie woanders.
Auf ein sprachliches Phänomen machte Michael Steinberg (USA) aufmerksam. Ihm zufolge ist in Amerika die Verwendung männlicher und weiblicher Bezeichnungen rückläufig. Das Wort „actress“ etwa (Schauspielerin) werde immer seltener benutzt; auch Frauen würden sich mit zunehmender Selbstverständlichkeit als „actor“ bezeichnen.
Mit Schauspielern des Mainfranken-Theaters wurde in der Gender-Woche über Rollenkonstruktion und Identitätssuche diskutiert, mit Firmenvertretern übers Thema „Gender in Wirtschaft und Unternehmen“, mit der Frauenbeauftragten der Universität über Karrieren im Wissenschaftsbetrieb, mit der Juristin Maria Luisa Mariscal-Melgar unter anderem über Gender, Recht und Kultur.
„Besonders unsere internationalen Teilnehmer haben es als sehr positiv bewertet, dass die Gender-Woche ein breites und interdisziplinäres Spektrum bot, und zwar an verschiedenen Orten in der Universität wie auch außerhalb“, sagt Michaela Thiel. Auch die Möglichkeit, ihre Kontakte zu den früheren Betreuern zu festigen, habe für die Alumni aus dem Ausland eine wichtige Rolle gespielt.
Finanziell gefördert wurde die Gender-Woche vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Der hat inzwischen einem weiteren Projekt der Würzburger Alumni-Beauftragten seine Förderung zugesagt: Für 2011 ist an der Uni Würzburg eine Euro-Indische Woche mit Alumni aus Europa und Indien geplant. Der Gender-Aspekt soll dann zwar nicht im Mittelpunkt stehen, aber dennoch eine Rolle spielen. Auch in Indien nämlich ist das Thema Gender durchaus aktuell: Erst im März 2010 haben dort Politikerinnen eine Frauenquote fürs Parlament erkämpft.