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usgabe 23 vom 15. Juni 2010

Stücke aus der Instrumentensammlung
Ralf Martin Jäger mit der tibetischen Knochentrompete
Stücke aus der neuerworbenen Sammlung
Die japanische Wölbbrettzither Koto. (Fotos Gunnar Bartsch)

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Fremde Klänge in der Residenz

Es ist ein Glücksgriff für die Uni: Eine bedeutende Sammlung ostasiatischer Instrumente konnte jetzt der Lehrstuhl für Ethnomusikologie erwerben. Anfang Juli sollen Stücke daraus zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Darunter ist auch ein Instrument, das bei manchem Betrachter für leichten Grusel sorgen könnte.

„Kanglin“ heißt die kleine Trompete in ihrer Heimat. Sie stammt aus Tibet, besitzt zwei Austrittsöffnungen, trägt an ihren Enden kunstvoll gestaltete metallische Verzierungen und weist noch eine weitere Besonderheit auf: Ihr Körper ist aus einem menschlichen Oberschenkelknochen geformt. „Ein gruseliges Stück“, findet Ralf Martin Jäger.

Musikinstrumente aus Asien

Jäger ist seit Sommer 2009 Inhaber des Lehrstuhls für Ethnomusikologie der Universität Würzburg. Eines seiner aktuellen Projekte ist der Aufbau einer Sammlung von Musikinstrumenten, passend zu Jägers Forschungsschwerpunkt, der Musik des Vorderen Orients und Südostasiens. Diese Artefakte will Jäger in der „Studiensammlung Musikinstrumente“ ausstellen, die das Institut für Musikforschung momentan in seinen Räumen in der Residenz aufbaut. Neben zahlreichen traditionellen Instrumenten des Westens – von der Orgel über die Querflöte bis zur Laute – können die Besucher dort dann auch die Knochentrompete bewundern.

14 Instrumente aus Ostasien und 17 sogenannte Klangwerkzeuge des Buddhismus hat Jäger jetzt erworben. Es handelt sich um Instrumente der Kunst- und Volksmusik Japans, Tibets und Koreas. Die Klangwerkzeuge kommen vor allem bei buddhistischen Zeremonien in Japan zum Einsatz. Ein paar Beispiele?

Alte Zithern, Langhalslauten und eine Bambus-Mundorgel

Wie eine gewaltig in die Länge gezogene Zither, allerdings mit deutlich reduzierter Saitenzahl, sieht die Koto aus – die japanische Wölbbrettzither. Mehr als 100 Jahre alt ist das Instrument. Kunstvolle Intarsien an der Seite zeigen Alltagsszenen aus Japan; die Stege zum Spannen und Stimmen der Saiten sind aus Elfenbein und mit Gold verziert.

Shamisen heißt die Langhalslaute in ihrer Heimat. Ihre Saiten sind aus Seide geformt, der Körper ist mit Katzenhaut bespannt. Gespielt wird sie mit einem handlangen Plektrum, das ebenfalls aus Elfenbein besteht.

Keinem westlichen Instrument gleicht die Sho. Unterschiedlich lange Bambusrohre, jedes in etwa dick wie ein Bleistift, sind kreisförmig angeordnet. Über ein zentrales Mundstück werden sie von dem Musiker angespielt. Sie klingt ein wenig wie eine Mundharmonika und war tatsächlich deren Vorläufer.

Eine Sammlung wechselt von Köln nach Würzburg

„Die Sammlung wurde zusammengestellt von dem bedeutenden Kölner Ethnomusikologen Professor Robert Günther“, erzählt Ralf Martin Jäger. Schon in der Vergangenheit wurden die Instrumente wiederholt in Sonderausstellungen gezeigt. Einige der nun nach Würzburg gelangten Stücke waren bisher als Leihgaben im Musikinstrumentenmuseum der Universität Köln ausgestellt. Dass die Sammlung nicht komplett in Köln gelandet ist, ist wohl einem Zufall zu verdanken: „Die dortige Professur für Musikethnologie ist momentan nicht besetzt“, sagt Jäger. Somit kam von dort kein Angebot, als Günther seine Sammlung zum Verkauf anbot.

Leihstücke aus Afrika

Für das Musikinstrumenten-Museum wird Jäger die Günther`schen Instrumente mit seiner eigenen Sammlung ergänzen, die vor allem den Vorderen Orient und Südostasien repräsentiert. Darüber hinaus wurden ihm weitere Instrumente aus Afrika als Leihgabe zugesichert. Außerdem lässt der Musikwissenschaftler gerade ein Siamesisches Hofmusikensemble ankaufen. Zu diesem gehören mehrere Xylophone, Gong-Kessel-Spiele, Trommeln, Becken und Oboeninstrumente.

Das Hofmusikensemble soll auch zum praktischen Einsatz kommen: „Mit diesen Instrumenten kann man schnell mit Studierenden ein Musikstück erarbeiten“, sagt Jäger. Zumindest die Studierenden im Masterstudiengang „Ethnomusicology / Transcultural Music Studies“, der im Moment vorbereitet wird, sollen somit ihren Forschungsgegenstand nicht nur theoretisch kennen lernen.

Besichtigung am 1. Juli

Bis die Musikinstrumenten-Sammlung allen Interessenten offen steht, wird noch ein wenig Zeit vergehen. Möglicherweise in einem Jahr könnte es soweit sein, schätzt Jäger. Einen ersten Eindruck will das Institut für Musikforschung dennoch schon am 1. Juli gewähren. Dann lädt es zu einem Tag der Offenen Tür ein und wird dabei auch Teile aus der Instrumentensammlung zeigen – sicherlich auch die tibetische Knochentrompete.

Über das genaue Programm am 1. Juli informiert das Institut, sobald die Details feststehen.

Kontakt: Prof. Dr. Ralf Martin Jäger, T: (0931) 31-80741, E-Mail: ralf.jaeger@uni-wuerzburg.de

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